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Gypsy: Die Geschichte einer großen Sinti-Familie
 
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Gypsy: Die Geschichte einer großen Sinti-Familie [Gebundene Ausgabe]

Dotschy Reinhardt
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Scherz Verlag, Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (1. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3502101906
  • ISBN-13: 978-3502101901
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 124.884 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Dotschy Reinhardt
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Dotschy Reinhardt wächst mit der Musik Django Reinhardts auf, dem bekanntesten Vertreter dieser großen Musikerdynastie. Die junge Frau ist Sinteza, eine Angehörige des Volkes der Sinti, das seit sechs Jahrhunderten in Deutschland lebt und wenige Höhen und viele Tiefen durchleiden musste. Sinti haben eine lange Geschichte der Ungerechtigkeit, Verfolgung und Vertreibung hinter sich, die sich erst in der Gegenwart zum Besseren wendet. Heimat sucht Dotschys Familie deshalb nicht nur in einem Staat oder in einer Landschaft, sondern auch in der Welt der Musik, in der eigenen Überlieferung, in ihrer Sprache, ihrer reichen Kultur. In sich selbst. Von dieser Welt erzählt Dotschy ihren Lesern. Vom Universum der Sinti und Roma, wie es einmal war und wie es heute ist, gleich um die Ecke, unerkannt, irgendwo in Deutschland und überall in Europa, wo ein Sinto diese große, schillernde Welt im Herzen trägt. Wo eine Sinteza mit ihrer Stimme von dieser Welt erzählen kann, wie Dotschy in ihren Konzerten und in diesem Buch.

Über den Autor

Dotschy Reinhardt ist ein junger musikalischer Spross aus der Familie des genialen Jazz-Gitarristen Django Reinhardt. 1975 in Ravensburg geboren, bestreitet Dotschy Reinhardt ihre Musik-Ausbildung auf eigene Faust und findet im Jazz ein klingendes Pendant zu ihrer Freiheitsliebe. Sie widmet sich dieser Musik mit der Gitarre und vor allem mit ihrer Stimme. Dazu bricht sie aus der süddeutschen Idylle aus und geht nach Berlin. Dotschy Reinhardt ist mit dem Swing-Musiker David Rose verheiratet.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sinti-Alltag! 2. September 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Noch immer leben deutsche Sinti wie Fremde im eigenen Land.
Inzwischen würde sich hierzulande - außer aus dem ganz rechten Lager - niemand mehr eine diskriminierende Äußerung zu jüdischen Mitbürgern erlauben. Das Wort "Zigeuner" und alle damit verbundenen, sich hartnäckig haltenden Vorurteile bleiben jedoch salonfähig.
Mehr oder weniger unerkannt und vor allem fernab jeder in den Köpfen verankerter Zigeunerromantik, wächst inzwischen die dritte Generation deutscher Sinti nach dem Porajmos (das Romanes-Wort für die Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma im "Dritten Reich") heran.

Dotschy Reinhardt, Jahrgang 1975, ist eine von ihnen.
Sie lebt als Jazzmusikerin mit dem Swingmusiker David Rose in Berlin, wuchs in Ravensburg auf und geht sehr selbstbewusst ihren Weg.
In ihrem Buch "Gypsy" gewährt sie den Lesern einen Einblick in ihre große Sinti-Familie und in ihren Alltag als Musikerin.
Ihre Großmutter, Jahrgang 1934, und die Brüche in ihrer Biographie waren für Dotschy Antrieb, sich schriftstellerisch mit der Vergangenheit ihrer Familie auseinander zu setzen.
Das ist entwaffnend ehrlich, oft unbequem und entlarvend.

Seit dem frühen Mittelalter im süddeutschen Raum ansässig, hat die Familie Reinhardt bis heute mit Vorurteilen zu kämpfen, bleiben sie isoliert, obwohl sie - wie die meisten Sinti - sesshaft sind.
Bis heute wird den meisten Sinti eine völlige Assimilation verweigert - und von vielen Vertretern der jungen Generation auch gar nicht mehr gewünscht. Desto größer ist der Zusammenhalt in den großen Familien, der Zusammenhalt durch die eigene Sprache, das Romanes, das lediglich eine gesprochene und keine Schriftsprache ist.
Hat die Elterngeneration Dotschy Reinhardts vor allem den Wunsch, möglichst unauffällig unter Nicht-Sinti zu leben, stehen Vertreter der jungen Generation sehr zu den Traditionen ihres Volkes und nehmen geringere Bildungschancen und damit die Beschränkung auf einige, wenige Berufszweige nicht mehr klaglos hin.
Mit dem festen Willen, Musikerin zu werden und dank eines beneidenswerten Rückhalts in ihrer Familie, verfolgt Dotschy Reinhardt ihr ehrgeiziges Ziel.

Inzwischen Anfang dreißig und als Musikerin sehr erfolgreich, ist sie noch immer dem täglichen Antiziganismus ausgesetzt.
Ihr Buch - so würde ich es mir sehr wünschen - mag vielleicht dazu beitragen, dass die große Kluft zwischen Sinti und Nicht-Sinti etwas kleiner wird.
Auch wenn das durch viele ungeschriebene Traditionen zusammengehaltene Gemeinschaftsleben der großen Sinti-Familien letztendlich dem Leser fremd bleibt -- man wird bei der Lektüre so oft mit den eigenen Vorurteilen und Nichtwissen konfrontiert, dass man vielleicht künftig einen neuen Blick und eine größere Sensibilität entwickelt.

Dotschy Reinhardt ist eine sehr beeindruckende und kluge Persönlichkeit, ihrem Buch sind viele Leser zu wünschen!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Eigentlich sollte man meinen, daß im Zeitalter von Globalisierung, Facebook, freiem Zugang zu Informationen aller Art und offener Diskussion im Sinne der Aufklärung ein solches Buch wie das von Dotschy Reinhardt nicht mehr nötig sei. Wenn ich mir allerdings diese dummen Kommentare von ewig Gestrigen anschaue, wird mir klar, daß dem wohl nicht so ist. Ich gebe Dotschy die volle Punktzahl, damit möglichst viele Leute ihr Buch lesen. Und wer so schöne Musik macht wie Dotschy, kann kein schlechter Mensch sein.... Vielen Dank dafür !
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Martin SF
Format:Gebundene Ausgabe
Man kann Dotschy Reinhardt nur dazu gratulieren, dass sie sich entschlossen hat, die Geschichte ihrer Familie in Buchform mit anderen zu teilen. Dabei stehen die Reinhardts - eine Sintifamilie (nicht nur) aus dem sueddeutschen Raum - sowohl im Mittelpunkt als auch stellvertretend fuer das Schicksal der Sinti in Deutschland (Stichwort: gesellschaftliche Ausgrenzung vor und nach dem Faschismus, Verfolgungs- und Vernichtungspolitik waehrend der Naziherrschaft). Als besonders aufschlussreich erweisen sich Dotschy Reinhardts Nachforschungen bezueglich ihrer Familiengeschichte wie auch die Beschreibungen aus der Zeit, in der sie aufgewachsen ist - in einer Welt, die grossteils abseits der deutschen "Mainstreamrealitaet" zu finden ist. Aber anders als die Eltern- und Grosselterngeneration verkoerpert die Autorin und Musikerin einen ganz anderen, selbstbewussten Zugang zur Gegenwart in Deutschland - sie fordert Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und verwirklicht ihre beruflichen Ziele als Saengerin einer eigenen Interpretation von Jazz, verwurzelt im Erbe von Django Reinhardt, gleichzeitig modern und individuell. Vor dem Hintergrund der bisher erschienenen Literatur ueber deutsche Sinti - hier sei vor allem Michail Krausnick zu nennen mit seinen Publikationen "Wo sind sie hingekommen?: Die unterschlagene Volkermord an den Sinti und Roma" (1995), "Abfahrt Karlsruhe: Die Deportation in den Voelkermord : ein unterschlagenes Kapitel aus der Geschichte unserer Stadt" (1991) sowie "Da wollten wir frei sein! Eine Sinti-Familie erzaehlt" (1983) - ist Dotschy Reinhardts "Gypsy" meines Wissens nach die erste Veroeffentlichung einer Sintezza der juengeren Generation, autobiographischer gehalten und dennoch nicht weniger politisch als z.B. Romani Roses immens wichtiges Buch "Bürgerrechte für Sinti und Roma" (1980). Wer in Dotschy Reinhardts Buch nach tiefgehenderen Informationen ueber Kultur und Tradition deutscher Sinti sucht, wird eventuell enttaeuscht sein - die Autorin erzaehlt vor allem aus persoenlicher Perspektive und wahrt die Privatsphaere, erlaubt nur kleine Einblicke in das tatsaechliche Familienleben. Angesichts der dramatischen Erfahrungen in der Vergangenheut, die in der Vernichtung vieler Sinti und Roma in den Konzentrationslagern endeten, kann man gut verstehen, dass die Eltern- und Grosselterngeneration nicht danach draengte, im Blickpunkt der Oeffentlichkeit zu stehen, sondern man moechte einfach in Ruhe leben, so wie die meisten Menschen. Die Autorin respektiert diese Einstellung und befuerwortet sie zu gutem Teil, was ihren Ausfuehrungen zum Thema Sprache (Dotschy Reinhardt ist gegen ein oeffentliches Lehrangebot von Romanes, z.B. an Universitaeten) zu entnehmen ist, sowie ihrer Vermeidung einer tiefergehenden Einfuehrung in Kultur und Tradition. Man kann es ihr nicht zum Vorwurf machen, aber diskussionswuerdig ist es dennoch, da gesellschaftliches Verstaendnis auf tatsaechlichem gegenseitigem Kennenlernen beruht und nicht auf gewollter Abschirmung der eigenen Kultur. Selbst nach der Lektuere des Buches weiss man nicht wirklich mehr ueber die Sprache, worin Traditionen bestehen, Verbote, Rituale - es bleibt einem also tatsaechlich nichts anderes uebrig, als selbst Sinti kennenzulernen, um eventuell mehr zu erfahren. Kritisch anzumerken waere noch die offensichtliche Unkenntnis der Autorin (da haette vielleicht auf Verlegerseite ein kundiges Lektorat geholfen) bezueglich der Geschichte der Roma - in Abgrenzung der Sinti von den wesentlich spaeter nach Deutschland eingewanderten Romagruppem (die wiederum aus ganz unterschiedlichen Regionen stammen, von Polen ueber Rumaenien bis zum Balkan und zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten migriert sind) verfaellt sie hier bisweilen auf ziemlich drastische Vereinfachungen, z.B. zitiert sie einen Verwandten mit den Worten, Roma seien orientalisch und nicht-sesshaft. Dieses Zitat soll wohl die eigene Sesshaftigkeit und Verwurzelung in Deutschland bestaerken, aber ist dabei gleichzeitig sehr ignorant und diskriminierend. In Suedpolen z.B. sind Roma bereits seit 300 Jahren sesshaft, ebenso in anderen Regionen der Welt. Man merkt also, es gibt doch einiges an Unwissenheit, wobei man zugestehen muss, dass man nicht von jeder Bevoelkerungsgruppe, die in den "Sinti und Roma"-Topf geworfen wird, erwarten kann, sie sei historisch ueber alles informiert. Aehnlich problematisch die Behauptung der Autorin, Roma spraechen kein Romanes sondern..."Roma". Das mag wohl eine sprachliche Unterscheidung unter Sinti sein, aber sprachwissenschaftlich gesehen gehoeren alle Dialektformen dem Romanes/Romani an, so unterschiedlich sie auch sein moegen. Solche Aussagen koennten unkundige LeserInnen des Buches womoeglich verwirren, wo die allgemeine Informationslage zu "Sinti und Roma" und deren Geschichte bereits eher spaerlich gesaet ist. Hier ist das Bildungswesen gefordert, Buchverlage, die junge Generation von Sinti UND Roma, die Neugierde eines jeden Einzelnen. Noch eine letzte kleine Unklarheit: Dotschy Reinhardt schreibt von "Sinti", die aus Spanien und Portugal nach Suedamerika vertrieben wurden. Es mag sich aber eher um Roma, sehr wahrscheinlich um Kale gehandelt haben.

Trotz der Kritik im Detail, fuer mich ist "Gypsy" ein sehr empfehlenswertes und mutiges Buch! Zur weiteren Lektuere empfehle ich ausserdem die von mir im Text erwaehnten Titel von Michail Krausnick.
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