da sieht aus einem wald schwarzer regenschirme ein model-gesicht hervor oder nur beine gehen (das erbe des surrealismus in der fotografie) über eine schwarze strasse, ein düsteres auto naht, eine nackte frau mit gasmaske blickt den betrachter an oder nur der nackte unterleib eines models schaut unter einem pink-bezogenen hotelbett hervor - körper, als fragment nur dargestellt, erschrecken - sie erinnern an unfall oder mord. guy bourdin (1928-1991) führte selbstbewusst seine surrealistischen phantasien in die werbefotografie ein. zunächst begann er mit einem studium der malerei, 1948 aber war er schon armee-fotograf im senegal - anschließend begann er tiere mit aufgeschlitzten bäuchen zu fotografieren. vielleicht hat die früh aufgezwungene kriegsreportage die heile welt in ihm zerbrechen lassen. seine fotografien wurden aber dadurch nicht schlechter. zunehmend wichen die ereignislosen minimalistischen landschafts-aufnahmen (50er jahre) den dramatischen, erotik, sex und gewalt herbeifantasierenden arbeiten (70er jahre) für die mode-zeitschriften "vogue france", "vogue hommes", "marie claire" und "20 ans" oder für den schuhfabrikanten charles jourdan. guy bourdin suchte zwar indirekt den wettstreit mit helmut newton - war aber extrem öffentlichkeitsscheu, gab keine interviews heraus, auch keine bücher - erst nach seinem tode organisierte sein sohn ausstellungen in london [victoria and albert museum], paris [centre pour la photographie et l'image], düsseldorf [NRW-forum] und tokio [in bälde] - und so entstand auch ein dazugehöriger katalog in buchform...