Eines der leibenswürdigsten, unterhaltsamsten und gemütvollsten Bücher, die in den letzten Jahren geschrieben wurden, hat uns der große Tierfreund und erfolgreiche Schriftsteller hans G. Bentz mit diesem "heiteren Roman aus verklungenen Tagen" beschert. Jakob ist eine Dohle, und während einer Ferienreise schenkt Mutter Bentz ihrem Jungen dieses freche ruppig-struppige Federvieh. Im großen, stabigen. lärmenden Berlin, das freilich - wir schreiben 1913 - wie vergoldet ist vom satten Glanz langer ungetrübter Friedensjahre, erobert Jakob im Sturm die Herzen aller Familienmitglieder, obwohl er sich immer neue ergötzliche Unarten und Untaten einfallen läßt. So erliegen Großvaters Zinnsoldaten seinen Krallenhieben, üppige kalte Buffets werden erbarmungslos geplündert, kostbare funkelnde Gegenstände verschwinden geheimnisvoll, und unliebsamen Gästen bleibt der mund offen, wenn Jakob seinen Schnabel aufmacht und von sich gibt, was es an Schimpfwörtern gelernt hat. Ein tierbuch also? Ja - und nein. Denn um unser Jaköbele und sien Herrchen herum leuchtet das auf, was wir, ob mit Recht oder Unrecht, die "gute alte Zeit" nennen: das Familien- und Gesellschaftsleben im kaiserlichen Deutschland mit seiner Gediegenheit und Gemütlichkeit, aber auch mit sienen versteckten Bosheiten, seinen Absonderlichkeiten und Albernheiten. Fabrikbesitzer, große Damen, schnauzende Portiers, gravitätische Schutzleute und Eisenbahnschaffener, devote Kellner, österreichische Kabalerieobristen, leicht vertrottelte Beamte und schneidige Scharfmacher geben sich, von Jakobs nimmermüden Schwingen umflattert, ein fröhliches Stelldichein. Da tritt die Wache ins Gewehr, wenn der kleine hans mit dem Onkel General stolz durchs Brandenburger tor stiefelt, ein sagenhaft verwahrlostes Schloß in Bühmen ist wie geschaffen für wilde Knabenspiele, der trinkfeste Dorfpfarrer hilft dem verstörten Buben, sich in der Welt zurechtzufinden, und eine kratzbürstige Cousine gibt ihm einen ersten Begriff von den gefährlichen Waffen der Evastöchter...