In diesem Buch geht es um das Problem, dass Mädchen in unserer Gesellschaft oft so erzogen werden, dass sie spätestens als Erwachsene als brave Mädchen Männern gegenüber benachteiligt sind. Ehrhardt verteilt Ratschläge, um aus dem braven Mädchen" böse Mädchen" zu machen.
Auf den ersten Blick soll das Buch dazu dienen Frauen zu einer Haltung von Aggression und Respektlosigkeit zu verhelfen, um sich gegen ungerechtfertigte Angriffe und Zumutungen von Ehepartnern oder im beruflichen Alltag zu Wehr setzen zu können. Sie sollen sich vielmehr egoistisch verhalten, je nach Situation durch Schmeicheln und Manipulieren ihr Ziel zu erreichen suchen, mit den Mächtigen paktieren...", um sie dann auch auszustechen.
Ehrhardt vertritt die emanzipierte Frau nach feministischer Lesart, treibt die Emanzipation aber auf eine gesellschaftlich unverantwortliche Spitze. Ursprünglich war die feministische Bewegung dafür da den benachteiligten Frauen in der privaten und beruflichen Welt zu mehr Rechten zu verhelfen. Es geht aber dabei längst nicht mehr nur um Gleichberechtigung der gesellschaftlichen Gruppe Frau, sondern um die Karriere des einzelnen weiblichen Individuums, die Ehrhardt im Auge hat. Ziel ist nicht mehr Partizipation sondern Herrschaft und Dominanz. Dazu scheint die Umdeutung des Begriffs böse" notwendig geworden zu sein, um das, was früher noch als böse erkannt worden ist, salonfähig zu machen. Es soll suggeriert werden, dass etwas Böses" als gut" angesehen werden kann. Früher diente der Begriff böse" dazu zerstörerisches Verhalten zu unterscheiden von gutem" oder lebens- und gemeinschaftsförderndem Verhalten. Entsprechend dem Postmodernismus und dem Zeitgeist, bei dem alles relativ" ist wird heute wird Böses in manchen Zusammenhängen bereits als das Gute betrachtet. Früher hielt man z.B. für böse", dass sich Arbeitnehmer durch ihr Konkurrenzverhalten von Arbeitgebern gegeneinander ausspielen ließen. Von Ehrhardt wird dies in ihrem Buch als etwas Gutes dargestellt, das den Frauen Chancen gibt nach oben zu kommen, z.B. indem sie sich bei ihrem Chef einschmeichelt. Jedes Individuum soll schließlich für sich das Beste aus der Situation herausholen. Ob das nicht auch der Denkweise der Abzockermentalität entspricht?
Bei der Autorin steht Feminismus für die Herrschaft von Frauen über Frauen und über Menschen ganz allgemein, es gibt nur einen Gegensatz von Mann und Frau, warum soll dieser Gegensatz nicht von der Frau beherrscht werden? Und er steht für Sozialdarwinismus, denn das Starke soll über das Schwache siegen. Starke Frauen müssen schwache Frauen beherrschen, und als nächstes dann auch der Mann. Das würde aber bedeuten, dass schwache Menschen keine Daseinsberechtigung haben, außer um den Starken zu dienen. Was macht eigentlich Ehrhardt, wenn sie alt und gebrechlich wird? Sollen dann die das Pflegeheim bereibende Chefin, das Pflegegeld in die Tasche schieben und sie darben lassen? Wiederum werden i diesem Buch nur die Rechte" angesprochen, die ein Mensch haben soll, nicht seine Pflichten, den Schwachen gegenüber zum Beispiel. Sollen die Jugendlichen nach dieser These erzogen werden? Die innere Lust am Verbotenen und Bösen, die den Kindern innewohnt, sollte nicht mehr als zerstörerisch erkannt und entgegengewirkt, sondern gefördert werden, damit dann junge Mädchen ihre unzeitige Leibesfrucht in die Tonne werfen, damit ihre berufliche Karriere nicht gefährdet wird?
Wer sich über den aggressiven Feminismus informieren möchte, sollte dieses Buch lesen. Es ist eine Art Selbstoffenbarung.