Im Gegensatz zu den meisten anderen Krimis kennt der Leser von "Gute Absicht" den Mörder praktisch von Anfang an, er weiß um die Hintergründe der Tat und sieht daher auch mit etwas gemischten Gefühlen auf die Naivität von Kornelia und ihren alten Bekannten, die sich bemerkenswert unerschrocken auf Spurensuche begeben und auf diese Weise natürlich ins Visier des Mörders geraten.
Die Persönlichkeit des Mörders wurde recht glaubwürdig konstruiert, wenngleich sie mit etlichen Klischees behaftet ist - ebenso wie manch anderer der vorgestellten Charaktere, doch die Autorin setzt diese Klischees meistens gezielt und sarkastisch ein. Sie hat eine Reihe wirklich skurriler und origineller Figuren geschaffen, sodass man ab und zu ins Schmunzeln gerät, zumal diese Charaktere möglicherweise an Bekannte erinnern.
Obwohl die Handlung in viele Stränge zerfällt, wird sie nicht unübersichtlich. Allerdings leistet diese Zersplitterung im vorliegenden Krimi dem Spannungsverlauf keinen guten Dienst. Nur selten schließt ein Abschnitt mit einem wirklichen Höhepunkt, und der anschließend wieder aufgenommene Erzählstrang aus einer anderen Perspektive beginnt auch selten mit einem packenden Ereignis oder einer verblüffenden Einsicht, sodass meistens eher der Eindruck einer trotz Erzählperspektiven- und Szenenwechsels bestehenden Kontinuität entsteht. Angelika Stucke verwendet allerdings einen recht spritzigen, frischen Stil, der dieses Defizit zum Teil auszugleichen vermag.
Der durchaus vorhandene Reiz dieses Krimis besteht aus dem apart präsentierten Lokalkolorit, den mit viel Humor erdachten und mit spitzer Feder skizzierten Charakteren und den komplexen Beziehungen unter ihnen; die Handlung hat letztlich wenig Überraschendes zu bieten.
"Gute Absicht" ist somit ein gut gelungener Regionalkrimi aus Niedersachsen, der weniger auf ideale Spannungsbögen als auf Originalität von Charakteren und Handlung setzt.