Das umfangreiche Werk liefert eine gründliche und umfassende Diskussion der psychoanalytischen Begriffe, wie sie sich in den verschiedenen Schulen entwickelt haben, und erreicht darin die Qualität eines hervorragenden Nachschlagewerkes, in dem die Begriffe kritisch hinterfragt und gegen ähnliche abgegrenzt werden. Auch mit den analytischen Schulen selbst setzt sich der Autor in dankenswerter Weise übersichtlich auseinander, insbesondere auch mit der Kleinianischen Richtung einschl. Kernberg , sowie mit dem Kohutismus. Der Autor gibt auch eine hervorragende, komprimierte Übersicht über den heutigen Stand der Forschung über die schizophrene Psychose, wichtig für Nicht-Psychiater.
Ein solches Buch war angesichts des heutigen Wirrwarrs , in dem Psychotherapeuten / Psychoanalytiker es immer schwerer haben, einen Überblick zu gewinnen, überfällig.
Das Buch zeigt auch zahlreiche, vielen nicht bewusste Fallstricke im Gutachterverfahren auf, die der Therapeut jetzt vermeiden kann. Der Autor weist auch auf problematische Entwicklungen der heute verwendeten, oft suggestiven und aufgeregten Sprache hin und regt zu einer klaren, klinisch belegbaren Ausdrucksweise an.
Ein eigenes Kapitel ist den Partnerschaftskonflikten und den daraus resultierenden Konflikten der Kinder gewidmet, so mit gängigen Plausibilitätsversionen, Suchen der Schuld bei sich selbst, Kälte, Stolz, Erschrecken des Mannes, dem Ausknipsphänomen", falschem Optimismus, und falschen Katastrophenszenarien, Verharmlosungen, Verleugnungen des Verlustes, aufgesetztem Verständnis, Parteiergreifen für einen Elternteil, Sorgerecht, Kindeswohl, Symmetriebedürfnis der Therapeuten, nachahmendem Verhalten, Trennungen nach Niederkunft, Kompensationsmechanismen, Patchworkfamilie.
Der Autor räumt mit einigen klischeehaften Vorstellungen auf, die nicht selten schon bei der Erhebung der Anamnese und der Befunde zur Falle werden wie parent blaming, Lügen, sexuellem Missbrauch und unerkannte Gegenübertragungen. Ein Kapitel ist erotischer Übertragung, auch mittels der neuen Medien wie emails hinter dem Rücken der Ehefrau des Therapeuten, gewidmet. Sorgfältig sind auch anderen wichtigen Themen wie negativer therapeutischer Reaktion, der Rolle der Abwehrmechanismen, den schwankenden Begriffen von Psychose und borderline nebst den Gegenübertragungen, der Posttraumatischen Belastungsstörung, diese erstmals unter kompromisstheoretischen Gesichtspunkten, der narzistischen Persönlichkeit, stalking, der Rolle der Zuschauer, Besonderheiten der Phobien, Angstneurosen und Zwangsneurosen, borderline als unerkannter Gegenübertragung und als waste-basket-Diagnose, Gefahren der Gruppendiskussion, dem Meisterungskonzept von Sampson & Weiss und konkreten Erfahrungen mit dem Gutachterverfahren gewidmet.
Bei den ausführlichen Anträgen sind einige Überschriften vertauscht worden, der Leser findet sich aber zurecht, auch kann er vom Autor ein Erratum unter dr.krill@t-online.de anfordern.
Das Buch hat sich mir als eine ausgezeichnete Anleitung zum erfolgreichen Schreiben von Anträgen bewährt.