Eines der neuesten Werke im Programm des Zauberfeder-Verlags ist das Buch (oder eher Heft, die 63 Seiten sind nämlich broschiert in DIN A 4 Format) von Steffen Schnee über Kettenrüstungen aller Art.
Dabei richtet sich dieses Buch aber nicht an diejenigen, die eine historische, mit vielen Quellen und Abbildungen unterlegte historische Abhandlung über Kettenrüstungen suchen. Es richtet sich auch nicht an diejenigen, die auf der Suche nach "posigen Fotos" von Menschen in Kettenhemden sind. Also an wen richtet es sich ?
An all diejenigen, die gern mehr über die Machart von Kettenhemden erfahren wollen und, ganz zuvorderst an diejenigen, die selber ein Kettenhemd,-haube oder-beinlinge selbst bauen wollen. Und das ist wörtlich zu nehmen: Das Buch startet mit einem ausführlichen Kapitel, was zur eigenen Herstellung von Kettenringen benötigt wird (u.a. Material, Werkzeug) und welche Arbeitsschritte gegangen werden müssen. Sehr gut: Die zahlreichen Sicherheitshinweise, die der erfahrene Autor weitergibt. Dabei ist man aber nicht unbedingt an "historisch korrekter" Herstellung und Verarbeitung interessiert (diese wird in einem Abschnitt für "Fans" beschrieben: Drahtziehen, historisches Vernieten usw.), sondern so, wie sich heute möglichst schnell, kostengünstig, aber qualitativ hochwertig das Grundmaterial (der Kettenring) herstellen lässt.
Neben Werkzeuglisten, findet man viele Abbildungen und How-To Beschreibungen, die es dem Interessierten m.E. nach ohne weiteres ermöglichen sollten, loszulegen. Hervorragend: Der Autor geht auch genau auf das Vernieten von Ringen ein und wie man diese vernieteten Ringe vernünftig herstellt und letzten Endes ein Hemd draus macht; was gerade diejenigen interessieren dürfte, die ihr Kettenhemd auch mal "ausführen".
Weiter geht es mit Grundtechniken des "Kettenhemd-Strickens" und es wird auf verschiedene Macharten und Muster eingegangen (Klassiker wie 4-in-1, 6-in-1 und Kingsmaille nehmen Raum ein, aber erfreulicherweise werden, ich nenne sie mal experimentelle Muster, wie italienisch, japanisch usw. bebildert abgehandelt). Auch Kettenringe in designerischen Stücken zu verbauen (Gürtel, Boden für Obstschalen usw.)´wird hier angerissen. Ich kann es nicht oft genug betonen, dass auch hier gilt, dass alles darauf ausgerichtet ist, dass der geneigte Leser es selbst machen soll und kann mithilfe dieser Anleitungen. So tastet man sich an sein Kettenhemd heran.
Hat man nun ein Kettenlaibchen, will man auch Ärmel. Bekommt man auch.
Denn das immer wieder heiß diskutierte Thema der Ärmel (verengen ? lang lassen (Fledermausärmel?) wird angesprochen und der Begriff "Trötring" in der deutschen Sprache etabliert. Dessen verschiedene Einsatzmöglichkeiten (z.B. Ärmel konisch zulaufen lassen) werden bebildert und detailliert beschrieben. Auch was man noch damit machen kann und wie ganze Hemden damit gebaut werden können wird gezeigt.
Nicht fehlen dürfen Abschnitte über Kettenhauben und Beinlinge (und deren Befestigungsmöglichkeiten mit Zeichnungen !). Eine gute Liste mit Bezugsquellen und Webseiten mit Designideen runden das Ganze ab.
Fazit: Das Buch ist eine vollständige, gut bebilderte und beschriebene Anleitung, die es dem Interessierten ermöglichen soll ohne große Anfängerfehler eine Kettenrüstung zu bauen mit passender Haube und Beinlingen. Darüber hinaus gibt es zig Tipps zu Arbeitssicherheit, Trageweisen u.v.m.
Ich persönlich kann das Buch für alle die empfehlen, die mehr über Herstellung erfahren wollen oder selbst "Hand anlegen " wollen. Das gilt auch für Fortgeschrittene, die hier Wissen auffrischen oder vertiefen möchten oder mal ein selbst "gewurmtes" Hemd bauen möchten.
Für alle Kettenhemdprofis: Das Buch ist unter Mitarbeit von Karsten Dombrowski entstanden, den viele mit dem Begriff "How To: Kettenhemd bauen" in Verbindung bringen dürften. Daher dürften viele Elemente, vor allem Zeichnungen und schematische Darstellungen, dem ein oder anderen sehr bekannt vorkommen. Für die "alten Hasen" der Zunft ist eine Anschaffung daher vielleicht inhaltlich nicht so lohnenswert wie für den interessierten "Laien". Ich kann es trotzdem nur sehr wärmstens empfehlen. KAUFEMPFEHLUNG !