Dieses 170 Seiten starke Buch liest sich wie ein modernes Praxishandbuch für Polstererberufe, denn es informiert zunächst umfassend über Möbelstile, Werkzeuge und Spezialwerkstoffe. Schritt für Schritt werden anhand von Fotos die aufwändigen Vorbereitungsarbeiten wie das Entfernen des alten Polsters, das Bespannen mit Gurtbändern und Leinen, das Stopfen mit Füllmaterialien sowie das Fixieren von Sprungfedern erläutert. Erst nach 70 Seiten dringt man zu dem eigentliche spannendem Thema vor, das dem Möbel das neue „Gesicht" verleiht - das Anbringen des Bezugsstoffes. Hier wird deutlich, dass sich die Autoren bewusst vom traditionellen Handwerk entfernen und mit erfrischenden Interpretationen überraschen. Sie mischen gekonnt überlieferte Fertigungsmethoden mit dem Einsatz neuer Materialien und zeitgemäßen Werkzeugen. Die Wahl ungewöhnlicher Textilien und die raffinierte Verwendung von Keder und Paspeln ermutigen zu Spielereien mit Farbe, Form und Stil. Es folgen Beschreibungen von 18 konkreten Polster-Projekten mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad.
Das Buch vermittelt einen tiefen Einblick in die hohe Kunst der Polsterei. Augenfällig sind das übersichtliche Layout und die Fülle von Fotographien. Die genauen Beschreibungen im Umgang mit Spezialwerkzeugen und der gelenkte Blick in das komplizierte Innere eines Polstermöbels haben mich eher ernüchtert. Das echte Polstern erfordert immer noch hohes handwerkliches Können, Geduld und akkurates Arbeiten und hat wenig mit Heißklebe, Volumenvliesfüllung und Fixieren per Elektrotacker zu tun. Obwohl ich mich im Umgang mit Holz und Textilien recht sicher fühle, traue ich mir nach dem Studium dieses Buches die stilgerechte Aufarbeitung von Polstermöbeln nicht zu. Die Materialien sind teuer, der Zuschnitt ist immer individuell, das Polstern verlangt viel Übung. In Verbindung mit einem Praktikum würde es mich zu eigenen Realisationen ermutigen, ansonsten hat mich hat dieses Buch eher überzeugt, die Restauration hochwertiger Möbel lieber dem Fachmann zu überlassen.