Den positiven Einschätzungen der anderen Rezensenten schließe ich mich an. Vanderbekes "Gut genug" ist ausgesprochen unterhaltsam und gerade die böse Situationskomik und die von der Ich-Erzählerin forsch vorgetragenen Klagen über die kleinen mittleren und größeren Schrecken von Schwangerschaft und Babyglück haben mich Seite für Seite immer wieder neu amüsiert.
Lesenswert ist das Buch aber nicht allein als witzig-böse Reflexion über das mitunter zweifelhafte Glück von Mutter- und Vaterschaft. Auch stilistisch überzeugt die Erzählung. Nicht zuletzt auch, weil Vanderbeke hier eine andere Erzählperspektive einführt als in den anderen mir bekannten Büchern. Sicher: Auch im "Muschelessen" und in "Alberta" gibt es eine Ich-Erzählerin. Sonst erscheinen diese Erzählerfiguren aber eher als moralische Instanz, deren Urteile über Männer, die Liebe und das Leben selbst nicht wirklich zur Disposition stehen. In "Gut genug" erscheint die Erzählerin dagegen auf eine interessante Weise ambivalent. Einerseits kann man ihre Nöte und ihren Ärger wunderbar nachvollziehen, und sicherlich wirkt sie schon irgendwie sympathisch. Man sieht die Welt ja durch ihre Augen. Andererseits wirkt sie aber in ihrer forschen Art auch eigentümlich spätpubertär und unreif. Sie ist schwanger, hat keine Ahnung, wie es nun weiter gehen soll, und hat auch überhaupt keinen Antrieb, sich zu informieren, weil ihr das zu spießig wäre. Das wäre dann nicht nur eine Zumutung, sondern gleich der Tod: "Alkohol, Krebs, Selbstmord" - oder so ähnlich heißt es an vielen Stellen, an denen die Erzählerfigur über die mögliche Alternative einer bürgerlichen Existenz nachdenkt.
Auch wenn das Lebensglück für diese Erzählerfigur weniger im Schillernden und Eleganten besteht als in der Lektüre von Proust und Thomas Mann, erinnert die Figur in ihrem Zwiespalt aus forscher Direktheit und der Angst vor dem Absturz (ins Angepasste) an Irmgard Keuns "Das kunstseidene Mädchen". Obwohl eine ganz andere Geschichte erzählt wird (um Liebe oder unterschiedliche Beziehungen geht es hier gar nicht), erweckt der Ton der Erzählung streckenweise den Eindruck als sei Keuns Erzählerin wieder auferstanden. Oder war sie nie tot?
Ein tolles Buch. Einzig die an einigen Stellen etwas drastische Fäkalsprache macht es für gesetzte Semester vielleicht etwas unverdaulich. Und die Verwendung als Schullektüre? Den Schülern kann man es sicherlich empfehlen - auch als lebenspraktischer Hinweis auf die nicht nur angenehmen Konsequenzen einer Schwangerschaft. Nur muss man in der Schule auch damit rechnen, dass die Lektüre in die Hände prüder Eltern fällt. Zumindest muss man dann mit kritischen Nachfragen rechnen.