Manche Theaterstücke profilieren sich durch künstlerisch aufwändige Bühnenbilder und gemeinsame hochdramatisch Handlungen der Schauspieler, wie z. B. die Enthauptung eines Übeltäters oder die immer wieder gern gesehene Liebesszene.
Nichts von alledem ist beim "Nordwind" zu finden. Die beiden Schauspieler bleiben mehr oder weniger in ihren eigenen vier Wänden. Sie sehen sich nie.
Die Kommunikation zwischen den Personen findet ausschließlich über Email statt.
Doch dies sind Details, die natürlich aufhorchen lassen, dass man so einen Plot überhaupt auf die Bühne bringen kann.
Die Faszination des Stückes ergibt sich aus den beiden Rollen bzw. aus der ständigen Veränderung der Meinungen und eigenen Einstellungen. Aus Komplimenten werden Unterstellungen, aus Sicherheiten Zweifel. Aus Hoch-Status wird durch ein missverstandenes Wort Tief-Status. Aus dem Wunsch auf ein Treffen im realen Leben wird die Angst, dass ein aufgebautes Idealbild zerstört wird.
Man kann sich nie sicher sein, welches die Gefühle, Gedanken und Wünsche der Protagonisten sind. Rollenklisches werden permanent durchbrochen und durch neue Blickwinkel und Sichtweisen zum Thema Beziehung ersetzt.
Hieraus bezieht das Stück eine sensationelle Faszination. Platte Gut-Böse-Trivialitäten, grob geschnitzte Charaktere. Guter Held, böser Feind - solche Dimensionen versagen hier vollständig. Alles ist ständig im Wandel.
Dies scheint generell eine Eigenheit von Theater- und Filmwerken mit österreichischer Handschrift zu sein.
"Gut gegen Nordwind" fügt sich in dieses erfrischend dynamisch und abwechslungsreiche Genre mit großem Glanz ein.
Empfehlenswert als DVD, aber auch als Theaterstück wie es aktuell (Februar 2011) in München gespielt wird.