Herrjeh, dachte ich zuerst, als ich den Buchtitel zum ersten Mal sah. Nun muss der Sprenger also auch noch auf den Euro 08-Zug aufsteigen. Aber kaum machte ich mich missmutig an die Lektüre, bemerkte ich meinen Irrtum. Reinhard K. Sprenger hatte diese Idee schon länger im Kopf. Und dass er schon ein paar Jahre lang recherchierte, war schnell klar. Denn er verarbeitete nicht nur die im Literaturverzeichnis aufgeführten Werke, sondern kam durch intensive Beschäftigung mit der Fussballwelt auf Analogien zur Wirtschaftswelt, die mit Abkupfern nichts zu tun haben. Und dort, wo er sich auf die Schultern anderer stellt, teilt er es seinen Lesern mit. Dass er sein Schlussresultat dann veröffentlicht, wenn ein Grossereignis die Aufmerksamkeit erhöht, ist einfach gutes Marketinghandwerk.
Auf Sprenger wurde ich wohl die meisten aufmerksam, als er "Mythos Motivation" veröffentlichte. Aber meine Sprenger-Begeisterung erhielt einen argen Dämpfer, als er mit "Die Entscheidung liegt bei dir!" die Vorstellung bestärkte, der Mensch sei letztlich für sein Schicksal selber verantwortlich. Jetzt bin ich wieder versöhnt. Denn in "Gut aufgestellt" lese ich wieder Sätze, die eher meinem Weltbild entsprechen. Nicht alles ist mach-, mess- und planbar. Rezeptbüchlein und genaue Zielbeschreibungen gibt es nicht. Und das Einhalten ethischer Werte führt nicht automatisch in die Sackgasse, sondern langfristig zum Erfolg, sofern man das Handwerk beherrscht und die notwendige Portion Glück hat.
Was ich an Reinhard Sprenger schon immer mochte, ist sein Mut zur Einfachheit. Statt seine Leser mit komplizierten Analysen und Theorien zu langweilen, setzt er auf die Kraft von Geschichten und Analogien. Und was eignet sich dazu besser als das Spiel aller Spiele. Von Fussball haben alle eine Ahnung. Selbst die Leser, die mit der Kickerei nichts zu tun haben wollen. Ich hatte bei der Lektüre meinen Spass, Aha-Erlebnisse zuhauf und die Bestätigung, mit meinen Ansichten nicht allein zu sein. Nur die Kapitelüberschriften fand ich missglückt. Den unter der Überschrift "Fankurve" möchte ich etwas über Fans erfahren ' oder über Kunden. Aber nur wegen eines Fehlpasses gleich das ganze Spiel zu kritisieren, wäre peinlich. Da Reinhard Sprenger das Buch ebenfalls zitiert, wird er mir bestimmt verzeihen, dass ich diese Besprechung als Werbespot für ein anderes Werk benutze. Lesen Sie bitte auch Gunter Gebauer, Poetik des Fussballs.
Das Hörbuch: Inhalt dramaturgisch gut bearbeitet und vertretbar gekürzt. In Peter Lohmeyer einen echten Fussballfan als Sprecher engagiert. Super. Weniger toll fand ich die weibliche Stimme für die Ansagen und Zwischenstücke. Sie erinnert mich nicht an Fussball, sondern an einen Kurs im schön und nett Formulieren. Aber da ihr Part nicht bestimmend ist, empfehle ich die Audiofassung ebenso gerne wie das Buch. Das Gedudel zu Beginn ist übrigens das Hör-Logo vom Campus Verlag.
Mein Fazit: Wer wissen möchte, was moderner Führungsstil ist und nicht zu den Fussballhassern gehört, muss den neuen Sprenger lesen. Nicht zuletzt deshalb, weil er ganz offensichtlich die Erfahrung gemacht hat, dass sich menschliche Persönlichkeitseigenschaften kaum verändern lassen. Wenn man diese Einschätzung teilt, kann man nur am Umfeld und bei den Strategien ansetzen. Wie das in der konkreten Praxis aussehen könnte, steht in diesem Buch.