Man müsste meinen, einer 1. Mahler noch etwas Neues abzugewinnen sei aufgrund der Fülle des Marktangebots nahezu unmöglich. Alleine fünf sind mir mit dem CSO bekannt. Einige Musiker des CSO müssen dieses Stück schon sehr oft gespielt haben. Und nicht zu dessen Nachteil, wie die vorliegende Einspielung zeigt.
Seinerzeit als der Mahler-Zyklus mit Boulez begann, habe ich ihn mitverfolgt und war immer zwischen Faszination und Ablehnung hin- und hergerissen. Mit der Zeit habe ich die Neuerscheinungen nicht mehr verfolgt und das war - was die erste unter Boulez anbelangt - ein sehr grosser Fehler.
Hier stimmt alles. Boulez präsentiert eine spritzige, hochmotiviert musizierende Einspielung, die alle bisher von mir gehörten (und das sind einige) in den Schatten stellt. Selbst die grandiose Solti-Aufnahme mit dem gleichen Orchester kann die junge Mahler-Seele nicht zwingender vermitteln. Bernstein (CGO)verliert sich im Vergleich in zu vielen Details und verliert hie und da den grossen Bogen.
Wollte man unbedingt etwas kritisieren, ist für meinen Geschmack der langsame Teil im vierten Satz zu schnell. Boulez schlägt hier weiter den halben Takt, obwohl diese Anweisung erst gegen Ende des langsamen Teils notiert ist. Ein bisschen mehr Pathos (à la Solti) hätte meines Erachtens die Spannung und den Kontrast in diesem Satz erhöht.
Das wirklich wunderbare an dieser Einspielung ist die herausragende Aufnahmequalität. Ich weiss nicht woran es liegt, aber es ist mit Sicherheit eine der mit Abstand besten DG-Aufnahmen (wenn nicht DIE Beste), die ich je gehört habe.
Für mich ist die Erste der absolute Höhepunkt des Boulez/Mahler Zyklus und sollte von jedem Mahler Enthusiasten Probe gehört werden. Viel Spass!