Diese Mahler-"Biographie" aus der Feder seiner ehemaligen Gattin erscheint immer mal wieder auf dem deutschen Buchmarkt, aktuell in einer wohlfeilen und ansprechend gestalteten Taschenbuchausgabe beim S.Fischer-Verlag.
Alma Mahler-Werfel (1879-1964), "Muse" von Gropius, Kokoschka, Mahler und Werfel, war nie für ihre Objektivität und Unvoreingenommenheit berühmt. Eitel, herrisch, selbstsüchtig, und doch mit einem einzigartigen Gespür für künstlerisches Genie gesegnet. Einmal davon überzeugt, konnte sie eine erstaunliche Loyalität entwickeln. Das gilt für ihre Zeit mit Gustav Mahler, mehr noch aber für ihre Ehe mit Franz Werfel, dem sie, das muss zugestanden werden, trotz ihrer verstörenden Sympathie für Adolf Hitler auf der Flucht vor den Nazis das Leben rettete.
So darf man sie als Zeitzeugin titulieren, freilich als höchst unzuverlässige: Eifersüchtig auf das eigene Image bedacht, Tatsachen verdrehend, immer ein wenig hysterisch und extrem heikel im persönlichen wie im politischen Urteil. Man muss sie nicht, wie ihr Biograph Hilmes, als "Witwe im Wahn" bezeichnen. Aber ein Garant für historische oder biographische Wahrheit war sie deswegen noch lange nicht!
Das vorliegende Buch mag daher auch weitaus mehr als Steinbruch zur Autobiographie Alma Mahler-Werfels denn als eigenständige Lebensgeschichte des großen Komponisten fungieren.
Für den "Mahler-Anfänger" ist diese Niederschrift der störrischen Muse auf keinen Fall zu empfehlen; das würde zu ganz falschen Einschätzungen und Schlussfolgerungen führen. Ein möglicher Einstieg wäre alternativ die gelungene Rowohlt-Bildmonographie: sachkundig, prägnant und anschaulich.