Jede der elf Prosaerzählungen Meyers hat etwas Unverwechselbares. Diese kürzere Novelle um einen Pagen, der ein Mädchen ist und sich sterblich in einen unerreichbaren König verliebt, spielt mehr als die meisten anderen mit der Bereitschaft des Lesers, sentimentalen Gefühlen zu folgen mitsamt den diversen Euphoriezuständen, Ängsten und Nöten.
Aber Meyer wäre nicht Meyer, wenn er damit nicht genußvoll Fallen legte. Der Page sieht nämlich die Welt aus seiner engen Befangenheitssicht heraus und reagiert ungerecht und blind auf das Recht eines anderen auf normabweichende Liebe: der Herzog von Lauenburg, ein reichsunabhängiger Fürst im Gefolge König Gustavs, will den Zwängen einer politischen Vernunftehe entkommen und hält sich eine schöne Zigeunerin im Zelt. Gustav nimmt sie ihm weg, woraufhin er auf Rache sinnt und den König in einem geeigneten Moment um die Ecke bringt.
In der Schlacht von Lützen kommt auch der Page ums Leben. Am Ende werden das Mädchen und Gustav gemeinsam aufgebahrt.
Ein selten diskutiertes Thema betrifft die fatalistische Ideologie, der Gustavs Widersacher Wallenstein aufsitzt und die auf den Christenkönig mehr als billig überspringt.
Wie immer bei Meyer stehen die Einzelelemente in einem vieldeutigen Zusammenhang, der durch aktives Lesen / Hören erschlossen werden muß - zur jedesmaligen Schärfung des eigenen Sehvermögens.