4.0 von 5 Sternen
Gute Biographie !, 14. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Gustav II. Adolf von Schweden. Der Eroberer aus dem Norden (Gebundene Ausgabe)
Jörg-Peter Findeisen, profunder Kenner der schwedischen und der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und Autor mehrerer Darstellungen zu diesen Themenkomplexen, hat vor einigen Jahren eine die Biographie "Gustav II. Adolf von Schweden. Der Eroberer aus dem Norden" veröffentlicht, die heute immer noch lesenswert ist.
Findeisen beginnt zunächst mit der kriminaltechnischen Untersuchung der Kleidung Gustav II. Adolfs, mit der Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts versucht werden sollte, den immer noch Rätsel aufgebenden Tod des Königs in der Schlacht von Lützen 1634 aufzuklären, um die noch immer vorhandenen Verschwörungstheorien ein deutscher Adeliger aus den eigenen Reihen habe den schwedischen König gemeuchelt zum verstummen zu bringen, was letztendlich auch gelungen ist. Anschließend stellt der Autor umfassend die Entwicklungen in Schweden dar, die das Haus Wasa an die Macht und dann den Vater Gustav II. Adolfs anstelle seines zugleich als König von Polen regierenden katholischen Neffen auf den Thron brachten und stellt die politische Situation in Europa zur Zeit Gustav II. Adolfs dar. Im weiteren Verlauf geht Findeisen dann auf Gustav II. Adolfs Regierungszeit und innenpolitische Reformen, seine Feldzüge im Baltikum und in Polen ein, um dann auf das Eingreifen im Dreißigjährigen Krieg überzuleiten und das schwedische Engagement in Deutschland bis zum Tode des Königs 1634 intensiv zu beleuchten.
Findeisen beleuchtet die Heldenverehrung Gustav II. Adolfs kritisch und zeigt seine eigentlichen Motive auf, sich im Dreißigjährigen Krieg zu engagieren. Der sogenannte "Löwe aus Mitternacht" verfolgte keinesfalls religiöse Motive und wollte den deutschen Protestantismus retten, handfeste machtpolitischen Erwägungen bewegten ihn, die schwedische Herrschaft im Ostseeraum, das "Dominum Maris Baltici", war wesentlicher Beweggrund denn die kaiserlichen Kräfte standen 1630 an der Ostsee. Gustav II. Adolf zwang den Herzog von Pommern zum Bündnisvertrag somit hatte der schwedische Herrscher seine Basis auf deutschem Boden geschaffen, griff aktiv und zunächst erfolgreich in den Krieg ein und beendete mit seinem spektakulären Sieg bei Breitenfeld die Vorherrschaft der kaiserlichen Streitkräfte in Deutschland. Findeisen zeichnet nicht nur ein nüchternes Bild von Gustav II. Adolfs als militärischem Oberbefehlshaber und Politiker, sondern macht auch deutlich, wie sehr der schwedische König durch die Ausplünderung des Landes dazu beitrug, den Schrecken des Krieges über die Bevölkerung zu bringen, da die schwedischen Finanzquellen allein nicht ausreichten, um die Armee zu finanzieren. Das teilweise in der Geschichtsschreibung noch existierende heroisierte Bild des berühmten Königs hält der sachlichen, auf nüchterner Quellenanalyse beruhenden, Darstellung Findeisen nichts stand. Zugleich ist dieses Buch gut lesbar, unterhaltsam und spannend geschrieben, was bei geschichtlichen Büchern deutscher Historiker ja nicht immer der Fall ist.
Empfehlenswert für jeden an der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges interessierten Leser!
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