Über die musikalischen Traditionen der Samen wusste ich absolut nichts, bevor ich diese CD hörte -- aber dass Mari Boine eine phantastische Sängerin ist, war mir sofort klar. Ihr Album "Gula Gula" enthält in der vorliegenden Fassung (OBACHT: Es gibt auch eine Fassung ohne die letzten 3 absolut hörenswerten Bonus-Tracks!) elf Songs, in der sie die traditionelle Musik ihres Volkes aufgreift und daraus ihren ganz eigenen Stil entwickelt, auch schon mal Jazz- und Rock-Einflüsse hören lässt, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Mari Boines Stimmvolumen oszilliert von ungezügelt bis zart; sie beherrscht alle Register, sie artikuliert messerscharf und besticht in ihrer Intonationssicherheit.
Boines eigener Stil macht sich auch bei der Instrumentierung bemerkbar -- neben traditionellen Instrumenten kommen z.B. auch Gitarren (akustisch und elektrisch), Bass, Piano usw. zu Wort. In ihren Texten thematisiert Mari Boine Geschichte und Gegenwart ihres Volkes; am deutlichsten sicher in "Oppskrift for Herrefolk" (für alle, deren Samisch-Kenntnisse etwas eingerostet ;-) sind: Das Booklet ist zweisprachig, samisch und englisch).
Vom ersten Takt an ist man fasziniert. Diese Musik atmet die Weiten des arktischen und subarktischen Skandinavien -- so kitschig sich das jetzt auch anhören mag, aber genau so isses.
Jeder Song klingt anders. "Gula Gula" ist kein ätherisches Meditations-Gesäusel, sondern ein starkes Album, geprägt von der stimmgewaltigen Mari Boine und einem wilden, unberechenbaren Rhythmus, der einen ein wenig an die Musik nordamerikanischer Indianer (z.B. Sharon Burch) denken lässt; die langsameren Tracks, vor allem "Balu badjel go vuoittan", erinnern auch entfernt an irische Traditionals.
Aber diese Assoziations-Krücken kann man getrost wegschmeißen; allein schon Mari Boines Gesangsstil (und eben diese Stimme!) faszinieren ganz einfach.