Der Grundgedanke des Buches gefällt mir: Je nachdem, was einen gerade beschäftigt an "seinem" Solospiel, kann man die Kategorien "Wann spielen?" (Rhythmus) "Was spielen?" (Tonmaterial) und "Wie spielen?" (v.a. Technik) studieren. Dieses losgelöste betrachten kann von Vorteil sein, wenn man z.B. in einem Bereich deutlich schlechteres Vorwissen hat als in den anderen Gebieten. Von daher erstmal kein Vorwurf von meiner Seite.
Das praktische Arbeiten mit diesem Buch war bei mir erstmal von Frust geprägt.
Das lag vor allem daran:
- Im Buch werden teilweise sehr komplexe Themenbereiche in nur wenigen Abschnitten erklärt. Diese Erklärungen sind zu kurz! Nur ein kleines Beispiel: "Wir unterteilen dieses Gesamtmuster in fünf Bereiche, die fünf Oktavmuster. Sie sind nach den Lagerfeuerakkorden C,A,G,E,D benannt, denen sie zugrunde liegen." Aha. Für mich persönlich fehlen da noch ein zwei erklärende Sätze, was jetzt genau das "zugrunde liegende" sein soll. Viele Dinge, die nur minimal kurz angeschnitten werden, werden später im Buch übrigens als erklärt angenommen und nicht weiter erläutert. Bei einigen Dingen weiß man auch nicht so recht, ob sie mal erklärt wurden (z.B Halbton-Ganzton-Tonleiter, die Erklärung besteht aus einem Griffbild)
- Nach diesen kurzen Erklärungen wird dann auf Übungen verwiesen. Man muss als Leser zum einen bereit sein, sehr viel Zeit in diese Übungen zu investieren, auch wenn diese teilweise echt langweilig sind! Ein Beispiel wurde ja schon genannt: Die Methode, die Töne auf dem Griffbrett nacheinander zu lernen, jeden Tag einen neuen. Wer macht sowas schon mit Freude? (Unverständlich ist auch, dass die Struktur der Oktavenwiederholungen auf dem Griffbrett erst zwei Seiten später auftauchen, obwohl sie zum Tönelernen absolut nützlich sind.)
Ein ähnliches Beispiel bei den Intervallen: Ein Griffbrett mit Intervallzahlen. Dazu heisst es: "Präge dir die Anordnung der Intervalle sorgfältig ein." Und dann folgen auch schon Übungen, in denen man die Intervallzahlen auch schon eintragen soll.
- Das Buch hat ein paar fiese Fehler eingebaut, die einen total aufhalten können. Nur zwei Beispiele: Falsche Intervallangabe auf S.43 bei 1.Ionisch, also an der blödesten Stelle, wenn man sich damit überhaupt nicht auskennt und die Struktur erkennen will. (Ich konnte mir den (falschen) Halbtonschritt zwischen F und G lange nicht erklären, weil er völlig aus der Reihe tanzte). Zweites Beispiel: Völlig unsinnige Fingersätze für Harmonisch-Moll auf S.190. Ich lasse mich gerne berichtigen: Mir fällt nur auf, dass Griffmuster 4 und 5 völlig gleich sind und der Rest vom Fingersatz absolut keinen Sinn macht. Vielleicht ist da was verrutscht.
Ich weiß nicht, wieviele Fehler da noch auf mich warten, aber ich bin gewarnt.
Fazit: Ein Buch, das gut zeigt, womit man sich beschäftigen sollte, wenn man im Stande sein will, schöne Soli zu spielen. Und ein Buch, das versucht, die eierlegende Wollmilchsau zu sein, dieses Ziel aber deutlich verfehlt, vor allem durch didaktische Fehler. Da Spieltechnik in 1000 anderen Gitarrenbüchern genauso gut und besser gelehrt wird und mich persönlich das Timing-Kapitel (Wann spielen?) auch nicht so wirklich begeistert, würde ich jedem raten, lieber ein Buch zu kaufen, welches sich ausführlich mit dem "Was spielen?" beschäftigt. Ich möchte jetzt aber keine Schleichwerbung machen. ;-)
Die CD ist übrigens sehr gut zum Jammen geeignet.
Nachtrag: Inzwischen habe ich herausgefunden, dass vom Autor ein Forum zu seinen Büchern angeboten wird, in dem man ihn tatsächlich zu einzelnen Dingen befragen kann. Das würde ich als sehr positiv bewerten. Außerdem SCHEINT es so zu sein, dass es mittlerweile schon eine überarbeitete Fassung des Buches gibt, in dem einige Fehler korrigiert worden sind. Dazu kann ich aber nichts genaues sagen.