Aus der Amazon.de-Redaktion
Die bolivianische Armee beging den entscheidenden Fehler, indem sie seine Leiche, um sie Journalisten als Beweis zu präsentieren, herausputzte. Man reinigte den ausgemergelten Körper, stutzte seinen Bart und kämmte ihn, dann wurde er aufgebahrt und das legendäre Foto ging um die Welt. Was man um jeden Preis hatte verhindern wollen, war erreicht: Eine Ikone war geboren. Aus Che Guevara war endgültig der Christus von Vallegrande geworden.
Den merkwürdigen Lebensgang des Ernesto Guevara de la Serna, Che genannt, von den großbürgerlichen Anfängen in Argentinien bis zu seinem gewaltsamen Tod 1967 in Bolivien, beschreibt diese exzellente Biographie Castañedas in fast schon romanhaft spannender Manier, die an manche der großen lateinamerikanischen Erzähler denken läßt.
Die Familie gehörte zur Elite Argentiniens. Allein daher schon muß es Mutter Celia, einer willensstarken, zupackenden Demokratin, hoch angerechnet werden, daß sie ihren asthmakranken Sohn keine der standesgemäßen Eliteschulen besuchen ließ und, ohne Rücksicht auf Klassenunterschiede, immer wieder mittellose Mitschüler Ches in ihrem Haus unterrichtete. Castañeda sieht im Vorbild der Mutter das prägende Beispiel für den späteren Lebensweg Guevaras. Beide liebten die Gefahr, waren rebellische Naturen und besaßen tiefes Mitgefühl ihren Mitmenschen gegenüber. Eine ähnlich dominante Rolle im Leben Ches sollte erst wieder Fidel Castro im Jahre 1955 einnehmen.
Den nun folgenden Kampfes- und Leidensweg voller Brüche, geographisch wie emotional, beginnend mit dem politischen Hauptereignis seiner Jugend, der Machtergreifung Peróns 1945, über das Medizinstudium plus erster Liebe in Buenos Aires, bis hin schließlich zum radikalen Bruch mit der Geliebten, seiner Heimat, seiner Familie im Jahre 1953, der die Historiker heute noch beschäftigt, dieses reiche, oft armselige und tragische Leben, das in den bolivianischen Bergen endete und auf den Postern der 68er fortdauerte, legt Castañeda in ruhigem, epischem Ton dar. Wer diesen schätzt, wird mit einem spannenden Buch belohnt. --Ravi Unger
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Pressestimmen
"Castañedas Schilderung ist flüssig wie ein Roman, dessen Sinn letztlich darin besteht, festzustellen, warum das größte Symbol der Rebellion der sechziger Jahre noch heute ein Banner der Jugendlichen ist. Dies ist das packende Vermächtnis des Che und anderer großer lateinamerikanischer Mythen des Jahrhunderts." (Tomás Eloy Martínez )
"Castañeda stutzt die überlebensgroße Figur auf menschliches Maß zurück. Indem er das Versagen Che Guevaras als Wirtschaftspolitiker in Kuba und als Revolutionär in Bolivien detailgenau beschreibt, auf breiter Quellenbasis, nimmt er der Lichtgestalt einiges von ihrer Aura. Er tut es aber ohne Häme, als Lateinamerikaner, der die Donquichotterien seines Helden und vielmehr noch seines Anti-Helden gut verstehen kann. Es geht ihm offenkundig auch nicht partout um die Entmystifizierung eines Mythos, um die Demontage des linken "Säulenheiligen". Er macht vielmehr verständlich, womit die Faszination zusammenhängt, die trotz seines Scheiterns von Che Guevara ausging." (
Frankfurter Allgemeine Zeitung )
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