... ist das Guerilla-Gärtnern. Diese Bewegung ist rundum positiv, weil wir alle etwas davon haben, wenn sich Leute anonym aufmachen, um aus brachliegenden, vermüllten Grundstücken und verwahrlosten öffentlichen Flächen blühende Blickfänge zu machen. Mir ist es ehrlich gesagt dann auch wurscht, ob das dann vielleicht nicht ganz legal war. Hauptsache etwas hässliches, unnützes Totes wird dadurch schön und lebendig.
Sonst bin ich ja überhaupt kein Freund von kriegerischen Guerilla-Taktiken, aber die Untergrundgärtner haben meine volle Sympathie und wenn ich jemals einen antreffe, bekommt der meine Unterstützung.
In diesem Buch gibt es ein wenig Hintergrundgeschichte - insbesondere zur Entstehung der Guerilla-Gardening-Bewegung in den USA und England. Wer das Grundwissen sucht, welche Pflanzen sich für welchen Standort eignen, und wie man am besten vorgeht, um unbehelligt auf einem Grundstück zu gärtnern, das einem nicht gehört, ohne dabei Ärger zu kriegen, der kann sich hier kundig machen. Dieser Teil des Buches ist übrigens auch für legale Gartenfreunde nützlich. Der Foto-Teil des Buches ist besonders interessant, weil man hier richtig Ergebnisse sehen kann. Und die können sich wirklich sehen lassen. Ob nun ein kümmerlicher Randstreifen mit Stiefmütterchen bepflanzt wurde, ein verwahrloster öffentlicher Blumenkübel wieder gepflegt wird oder eine karge Baumscheibe plötzlich erblüht. Diese Untergrundbewegung verschönert die Umwelt und trägt dazu bei, dass die Menschen auch einmal selbst etwas Positives bewirken können. Ich liebe es, wenn sich im Internet Leute verabreden, um in einer Nacht-und Nebel-Aktion eine Verkehrsinsel zu bepflanzen. Eigentlich verdienen die einen Orden und nicht Ärger mit Behörden. Es gehört sich auch nicht, sein Grundstück verwahrlosen zu lassen, und dann ausgerechnet diejenigen anzuzeigen, die es in Ordnung bringen, gell?
Gärtnern kann übrigens mehr als nur schöne Blumen und leckeres Gemüse hervorbringen, es kann aus großer seelischer Not helfen: Schon Nelson Mandela hat sich in seiner dreißig Jahre währenden Gefangenschaft auf Robben Island durch Gärtnern über Wasser gehalten. Auch dort gab es keinen Garten - es wurden längs aufgeschnittene Ölfässer mit Erde befüllt und darin Gemüse gezüchtet. Mandela schreibt darüber in seiner Autobiographie.
Gärtnern ist geil. Man fühlt sich wirklich gut, nachdem man im Boden gebuddelt hat und danach etwas gedeiht, das man dort eingesetzt hat. Wer keinen eigenen Garten hat, und trotzdem was Sichtbares in der Gesellschaft verändern will, der soll das Buch lesen und sich mal in seiner Umgebung umschauen...