Gudrun Pausewangs Buch Die Wolke" ist zwar nicht mehr so brand-aktuell wie zur Zeit der großen Anti-Atom-Demos, aber man ist sofort hineingezogen in die Handlung und identifiziert sich schnell mit dem Schicksal Janna-Bertas - welches, angesichts der Diskussion um Sicherheit nach Terroranschlägen (Vernebelung?), dann doch wieder aktuell werden könnte. Auch sprachlich hat das Buch einiges zu bieten. Daher lese ich es jetzt zum wiederholten Male mit einer Klasse 7. Verwunderlich, dass bisher kein Begleitmaterial für LehrerInnen angeboten wurde. Endlich gibt der Ravensburger Verlag (bei dem auch Die Wolke" erscheint) ein Material-Heft heraus und, kurz gesagt: Ich bin enttäuscht. Es bietet zwar eine ausführliche Inhaltsangabe, einige Gedanken zur Behandlung in unterschiedlichen Altersstufen, ein Interview mit Gudrun Pausewang und Linktipps, aber die eigentlichen Unterrichts-Materialien sind sauber ausgearbeitete, aber staubtrockene Analyse-Tabellen.Gerade für die Zielgruppe" Klasse 7-9 sind lebendigere, handlungsorientiertere Zugänge nötig, beispielsweise: Arbeiten mit der Landkarte (Wo liegen die Orte des Romans, wo ungefähr sind die Sperrzonen 1-2-3), damit man konkret mit dem Heimatort vergleichen kann (auf dem Schulweg gibt es eine Stelle, an der ich kurz jeden Morgen die charakteristische Dampfwolke des AKW Phillipsburg über dem Schulgebäude schweben sehe - ziemlich sicher wären wir in Sperrzone 1...). Oder grafische Darstellung von Personenkonstellationen, Übungen zum Charakterisieren, Schreibanregungen, Bildmaterial (!), Hintergrundmaterialien zur Auswirkung von Verstrahlung (eine Schülerin fragte: Wie stirbt man denn, wenn man wie Janna-Bertas Eltern in Zone 1 ist?" Ich muss zugeben, ich war überfragt). Gar nicht geht das Materialienheft auf die Sprache ein, v.a. das durchgängige Leitmotiv / Symbol Kopfbedeckung" in verschiedenen Formen (Perücke, Ayses Kopftuch, Wollmütze) und Janna-Bertas Weigerung ihren kahlen Schädel zu bedecken, was sich z.B. in Rollenspielen sehr gut umsetzen lässt.Wer einmal eine Literatur-Kartei" aus dem Verlag an der Ruhr in der Hand gehabt hat, weiß, was ich vermisse: eine Methodenvielfalt mit guten Ideen für LehrerInnen sofort nutzbar aufbereitet. (Beispiel: Zu Storms Der Schimmelreiter" findet man Landkarten, Deichbau-Pläne, eine noch auszufüllende Todesanzeige für Hauke (!), Interview-Vorschläge und ein begonnener Tagebucheintrag von Elke zum Weiterschreiben, ein Quiz mit Fremdworten aus dem Text usw. usw.).Fairerweise muss man sagen, dass das Heft zu Die Wolke" nur ein Fünftel des Ringbuchs zu Der Schimmelreiter" kostet - aber ich wäre gerne bereit gewesen mehr zu zahlen, wenn mir auch mehr geboten worden wäre. Schade um die vertane Chance.