"Guddu" (1995) wird in vielen Rezensionen eher verrissen, aber ich finde den Film gar nicht so übel, denn trotz der einfachen Gestaltung gibt es schöne Sachen zu entdecken. - Shah Rukh Khan schlüpft hier im Alter von 29 Jahren in die Rolle des Collegestudenten Guddu. Er bekommt das ganz gut hin und spielt niedlich. - Guddus gläubige Mutter Kavita (Deepti Naval) möchte ihren unternehmungslustigen Sohn in Watte packen, denn es wurde prophezeit, dass er vorzeitig sterben würde. Durch stetiges Beten sollen die Götter gnädig gestimmt werden, was den atheistischen Vater (Mukesh Khanna) ziemlich nervt. Guddu verliebt sich in Salina (Manisha Koirala). Bei einer gemeinsamen Autofahrt verursacht er jedoch einen Unfall, durch den sie erblindet. Als er erfährt, dass er unter einem Gehirntumor leidet, will er Salina nach seinem Tod seine Augen spenden. Dadurch kommt es zum ernsthaften Konflikt mit dem Vater, der befürchtet, dass sein Sohn nicht mehr gegen die Erkrankung ankämpft. Guddu lässt sich nicht einschüchtern und zieht vor Gericht.
Ein melodramatischer Film mit unfreiwilliger Komik und anrührenden Momenten. Bild- und Tonqualität wirken älter und die deutsche Synchronisation lässt Wünsche offen: sie bietet für Shah Rukh die Stimme wie in "Yes Boss". Aber es gibt eine Hindi-Tonspur mit deutschen Untertiteln, auch für die Lieder. - Musik und Tänze halten sich in Grenzen, aber mir gefällt z.B. "Ishq Allah", bei dem die Priester sich in Trance singen. Die angeklebten Bärte... na ja. Wunderbar finde ich die aparte Deepti Naval als Guddus Mutter und die schöne Darstellung ihrer religiösen Hingabe. Wer Shah Rukh Khan und Manisha Koirala in "Dil se" (1998) schätzt, könnte enttäuscht sein: es liegen Welten zwischen den Werken. Beide spielen jedoch ein rührendes junges Pärchen mit sehr schöner Mimik und Gestik zwischendurch. Und im Hindi-Original habe ich die Stelle gefunden, bei der Shah Rukh wegen Lachanfällen mehrere Anläufe brauchte (Doctor uncle, yeh eye transplant kya hota hai?).
Durchaus erheiternd die drachenfliegenden Stars und beachtenswert das Michael Jackson-Poster in Guddus Zimmer. Richtig schön z.B., wenn Guddu und Salina sich vor einem Unwetter in eine Höhle mit Kamasutra-Figuren flüchten. Intensiv die Szenen im Gerichtssaal, Guddus Auflehnung gegen den Vater und der Hilferuf an die Mutter. Und mich ergreifen die intensiv betende Kavita und der Nachhall der Gebetsrufe. -
Ich habe viele schlechte Filme gesehen - "Guddu" gehört für mich NICHT dazu und die mangelnde medizinische Genauigkeit stört mich nicht. Die DVD ist vielleicht nichts für Leute, die Probleme mit religiösen Inhalten haben, könnte aber Freunden des jüngeren Shah Rukh Khan gefallen. Ich sehe den Film immer wieder gerne an, als wärmende Schonkost nach supergestylten Filmen. Rührend das ganze - und bei manchem wüsste ich zu gerne die damaligen Gedanken Shah Rukhs.