Diese Geschichte handelt von einer selbstverliebten, markensüchtigen, egozentrischen, manchmal auch etwas aggressiven und bissigen, durchaus schlagfertigen, auf jeden Fall spöttischen, karrierebewussten Dame. Ihr Name ist Jennifer Lancaster. Kurz: Jen Lancaster.
Moment einmal? Ist das nicht die Autorin?
Gut aufgepasst! In der Tat - und Jen Lancaster verschweigt dies in ihrem Vorwort auch nicht - enthält die Geschichte autobiografische Anteile. Allerdings hat sie sich gewisse dichterische Freiheiten herausgenommen, um Langeweile und Durststrecken zu vermeiden. Dass vieles mit dem Leben der echten Jen Lancaster übereinstimmt, lässt sich übrigens durch einen Besuch auf ihrer Hompage jennsylvania.com schnell und leicht überprüfen. Man findet dort auch Bilder, zum Beispiel vom
schwarzen* Hochzeitskleid. Dazu später mehr.
Die Jen Lancaster, die der Leser zu Beginn des Buches kennenlernt, ist keine besonders sympathische Person. Ein Lästermaul, das nur sich selbst im Kopf hat. Sogar bei einem Betriebsausflug mag sie auf hitzefestes
Dior-Make up, eine
Kate-Spade-Handtasche und
Edelklamotten* nicht verzichten. Ein Abpumpklo auf dem Schiff? Iiiii! Nein, da verkneift sich Jen doch lieber das dringende Bedürfnis. Noch ist sie der Star im Vertrieb. Die einzig kompetente Person, die weiß, wie man verkauft. Dass die Lage nicht völlig hoffnungslos ist, zeigt sich, als Jen darauf verzichtet einen Kunden auszunehmen. Den Bonus für dieses Geschäft könnte sie zwar gut gebrauchen, aber etwas moralischen Anstand hat sie doch noch. Wenig später fallen die Türme in
New York und in der Folge verliert der Workaholic und Shopaholic Jen Job und Einkommen.
Zunächst scheint dies nur eine Übergangsphase zu sein. Jen antwortet auf Stellenanzeigen, lässt ihre Verbindungen spielen ... nach gefühlten 800 Bewerbungen ist jedoch immer noch kein anspruchsvoller Top-Job in Sicht. Immerhin gibt es Aushilfstätigkeiten. Und Jen holt sich in einem Anfall von sozialem Engagement zwei Vierbeiner aus dem Tierheim in die Wohnung. Erträgt sogar die notwendige Teppichtiefenreinigung mit Gleichmut. Ganz zu schweigen von der Reparatur sämtlicher köstlicher Tisch- und Stuhlbeine und dem Lederwarenmassaker. Drei
Taschen*, ein
Koffer* und vier Paare ihrer teuersten
Schuhe* büsst sie unter anderem ein. Ein Anti-Kau-Spray verpufft wirkungslos. Die eine Fellnase hat auch dieses Zeugs gleich vertilgt. Nicht, dass Sie denken, dass die Hunde so wesentlich sind für die Geschichte, es sind Randfiguren, aber als Hundebesitzer wurde mir bei diesen Beschreibungen Jen gleich doppelt so sympathisch wie zuvor.
Sehr viel wichtiger für die Geschichte ist ihr Lebensgefährte und späterer Ehemann Fletsch. Phasenweise hab ich mich gefragt, wie um alles in der Welt er es mit dieser Frau aushält. Ehrlich, was würden Sie zu einer Frau sagen, die Ihnen einen Heiratsantrag macht, nachdem Sie eine längere Sitzung im Badezimmer aufgrund eines verdorbenen mexikanischen Essens hatten? Das ist doch wirklich kein idealer Moment. Abgesehen davon ist es viel romantischer, wenn der Antrag vom Mann kommt. Immerhin setzt Fletch durch, dass er einen eigenen Antrag nachschieben darf. Bis dahin beginnt Jen schon einmal mit den Hochzeitsvorbereitungen. Las Vegas soll es sein. Eine unkonventionelle Hochzeit mit schwarzem Brautkleid. Dass dann ausgerechnet in dem von ihr ausgesuchten Hotel zeitgleich mit der Feier eine Erotikmesse stattfindet, damit hat sie dann doch nicht gerechnet.
Es folgen noch zahlreiche weitere Höhen und Tiefen, vor allem Tiefen, bis es mit den Frischverheirateten wieder aufwärtsgeht. Zuviel vom Inhalt will ich nicht erzählen, eines nur: diese Geschichte ist u n g l a u b l i c h amüsant. Jen Lancaster nimmt ihr früheres Ich gnadenlos auf die Schippe. In den Text eingebaut sind Emails, Briefe, Notizen, kurz: es ist sehr abwechslungsreich. Ein Lesevergnügen! Jen, Fletsch und ihre tierischen Gefährten sind mir so ans Herz gewachsen, dass ich sehr auf eine Fortsetzung hoffe. Dieses Buch hat Spaß gemacht!
You go, girl!
* Ob es sich um genau diese Produkte handelt, kann ich natürlich nicht sagen. Wahr ist allerdings, dass auch im Buch die eine oder andere Fußnote vorkommt.