Erst einmal ein Kompliment an Ufa Anime: Die Idee, die erste Folge besonders billig extra anzubieten, ist sehr sinnvoll; letztendlich kann man Serien nur richtig kennenlernen, indem man (mindestens) eine ganze Folge sieht. Von "Devil may cry", wovon ich mir auch die erste Folge besorgt hatte, werde ich mir nichts mehr kaufen; von "Guardian of the Spirit" dagegen habe ich mir inzwischen alle DVDs besorgt und angesehen.
Zur Rezension: Ich halte "Guardian of the Spirit" für eine der besten Anime-Serien, die ich kenne. Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Optik: Der Detailreichtum ist geradezu opulent, die realistische Umsetzung von Bewegungen brillant; da übertrifft diese Serie noch "Ghost in the Shell", die Vorgängerserie von Production I.G. Die Animation der Charaktere ist erfreulich differenziert, das tricktechnische Niveau bis zur letzten Folge gleichbleibend hoch; gerade daran kranken viele andere Animes.
Was die Besetzung betrifft: Ich habe mir die erste Folge auf Deutsch angesehen, habe dann aber zum Original mit Untertiteln umgeschaltet: Die deutsche Synchronisation ist gut, aber das Original sagt mir einfach mehr zu. Der Surround-Ton ist in beiden Fassungen sehr ordentlich.
Zum Plot: In einem Interview auf DVD 6 räumt die Autorin ein, dass der Plot ihrer Vorlage eigentlich nur für 13, 15 Folgen gereicht hätte. Stattdessen hat man die Handlung auf 26 Folgen gestreckt, was einige Längen zur Folge hat. Auch mag die relativ action-reiche Folge 1 falsche Erwartungen wecken: Dies ist keine Action-Serie; es folgen nur relativ wenige Kampf-Szenen. Es ist eine Fantasy-Serie, die in einer vage chinesisch-japanisch anmutenden Umgebung spielt. Vor allem geht es um die Entwicklung der Beziehung zwischen dem Prinzen Chagum und deren Leibwächterin Balsa. Ich bin kein Fantasy-Fan; daher finde ich es erfreulich, dass die Fantasy-Elemente in dieser Serie recht rar sind; sie beschränken sich weitgehend auf die letzten beiden Folgen. Die Serie ist eher eine "Coming-of-Age"-Geschichte, was Chagum betrifft, oder eine Art Läuterungs-Story, wenn man sich mehr auf Balsa bezieht. Besonders erfreulich: In vielen Animes finden sich grauenvolle Klischees, was Geschlechterrollen betrifft: Die Männer sind tapfer und muskulös, die Frauen verängstigt und sexy... In "Guardian..." werden solche Klischees geradezu gegen den Strich gebürstet, vor allem, was die Beziehung zwischen Balsa und Tanda betrifft oder die 'Geburtsszene' in Folge 25.
Die Ausstattung der DVDs ist eher mager; neben Trailern finden sich auf den DVDs nur die Vor- und Nachspänne als gesondert anwählbare Extras. Nur DVD 6 enthält einige interessante Interviews mit Autorin, Regisseur bzw. Animator; aber das ist offenbar Standard.
Fazit: Eine Empfehlung für alle, denen etwa "Ghost in the Shell" oder "Prinzessin Mononoke" gefallen hat!