Road movies sind immer wieder eine feine Sache. Man bekommt ohne dramaturgische Kunstgriffe eine Vielzahl von Schauplätzen und Figuren präsentiert, die einem die ganze Bandbreite des menschlichen Lebens vor Augen führen können.
Diese Eigenschaft des Genres nutzt das kubanische Regisseurduo Tomas Gutierrez Alea und Juan Carlos Tabio, um für den Zuschauer anhand eines Leichentransports quer durch Kuba ein stimmiges Gesellschaftsbild der Verhältnisse auf dieser Insel zu malen. Wie schon der international vielgelobte Vorgänger ERDBEER UND SCHOKOLADE ist GUANTANAMERA eine ausgewogene Mischung aus ernsten und lustigen Szenen, wobei dem kubanischen Betrachter sicher angesichts der absurden Planbesessenheit der Filmbürokraten das Lachen im Halse stecken bleiben dürfte. Wie bereits in DAS LEBEN EIN PFEIFEN wird die als Spaß gut getarnte Gesellschaftskritik unters Volk gebracht, wobei die immer wieder durchschimmernde Liebe zu Kuba und seinen Bewohnern auch für Europäer sehr anrührend ist.
Leider erkrankte Alea schwer während der Dreharbeiten zu seinem letzten Film GUANTANAMERA, so daß der Endschnitt wohl relativ zügig und damit fehlerhaft entstanden sein dürfte. Einige gravierende Anschlußfehler können aber den Filmgenuß dieser Huldigung an das Leben im Hinterhof der USA nicht wirklich mindern.
Eher ist dann die gewohnt schlechte Ausstattung der DVD durch den Verleih MCP ärgerlich, der nur die Originaltonspur als Extra anbietet. Bonusmaterial erwartet man fast gar nicht mehr, aber wenigstens Untertitel sollten auch bei so einer preiswerten DVD drin sein.