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Die Märchen der Gebrüder Grimm erschienen in den Jahren 1812 und 1815 als Erstdrucke. Jene Geschichten aber, die wir alle aus unserer Kindheit kennen, entsprechen in ihrem Inhalt eher den diversen zwischen 1819 und 1857 von Wilhelm Grimm bearbeiteten Neuauflagen. Friedrich Panzer hat 1947 die beiden Erstdruckbände erstmals wieder aufgelegt und seiner Ausgabe den Untertitel „Vollständige Ausgabe in der Urfassung" verliehen. Die aktuellste Ausgabe ist wohl die, die der Hamburger Psychoanalytiker Peter Dettmering im Jahr 1999 herausgegeben hat. Der VERLAG DIETMAR KLOTZ bietet zwei Varianten der „Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm - Erstdruckfassung von 1812 - 1815" an, sinnvoll scheint die Ausgabe ohne Einband für 11,50 Euro (ISBN 3-88074-311-8), um sich diesen Urschatz der Phantastik in seiner ursprünglichen Form ins Regal zu stellen. Die ultimativen Urfassungen der Märchen dagegen sind für immer verloren bzw. nicht mehr festzumachen, da sie vor den Aktivitäten der Gebrüder Grimm nur mündlich überliefert wurden; mit den Neuauflagen durch Wilhelm Grimm und den darauf aufbauenden Veröffentlichungen wurden sie aber mehr und mehr durch diese definiert, auch was das mündliche Weitererzählen betrifft - und letztendlich hatten ja auch die Gebrüder Grimm die von ihnen gesammelten Versionen interpretiert. Sehr interessant also, was dabei herauskommt, wenn sich im 21. Jahrhundert zwei junge Autoren dieser Thematik annehmen.
Als Rahmenhandlung fungiert eine hörspielartig aufbereitete Geschichte: Während eines Gewitters bleibt ein junger Märchen-Autor mit dem Auto liegen. In einer in der Nähe liegenden Behausung trifft er auf einen schlaflosen Herren (Lars Peter in einer Cameo-Rolle!), der ihm einen Platz am Kamin anbietet. Der Schriftsteller liest ihm aus seinen Märchen vor.
Und diese erinnern natürlich teilweise stark an Dinge, die man aus seiner Kindheit dunkel erinnert - viel überraschender fand ich allerdings, dass sie teilweise auch an Meister der literarischen Phantastimk gemahnen, und so unter Beweis stellen, wie sehr auch deren Visionen im Volksmund wurzeln. So könnte „Eine Nacht auf dem See" mit seinem schleimigen Wasserwesen und der bösen Drehung zum Schluss auch aus einer Lovecraft-Kurzgeschichtensammlung stammen. „Der Trank" wiederum erinnert mit seinem „Lebendig begraben/eingemauert"-Motiv stark an die eine oder andere Story von Edgar Allan Poe.
Ein hochinteressantes Hörbuch also, das von Stephane Bittoun kompetent vorgetragen wird - durch manchen guten Regie-Einfall wirkt er deutlich weniger „harmlos", als man gegen Anfang meinen könnte. Auch die Rahmenhandlung endet mit einer bitterbösen Pointe und beschließt so dieses erste LPL-Hörbuch standesgemäß. Ein schönes Stück Audio-Phantastik, das durch seinen schlauen Unterbau sogar in der Lage ist, eine Lücke zu schließen - nämlich die zwischen überlieferten Märchen und moderner Phantastik.
Der Erzähler ist gut aber die Geschichten nichts besonderes. Lesen Sie weiter...
Die Rahmenhandlung: ein Mann braucht Hilfe, um ins nächste Dorf zu kommen. Lesen Sie weiter...
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