Amerika, New England, Ende des 19. Jahrhunderts
Trotz des strengen Winters bittet Prudence Rutledge ihre Nachbarn Orrin Bosworth, Sylvester Brand, sowie den Diakon Hibben, ihr und ihrem Mann Saul einen Besuch abzustatten. Die kühle, emotionslos wirkende Frau empfängt die drei Männer äußerst distanziert und erklärt lediglich, dass es um ihren Mann Saul geht, der an einer geheimnisvollen Krankheit leide. Doch wer oder was ist wirklich für den erbarmungswürdigen Zustand von Saul Rutledge verantwortlich, und was haben die drei Männer damit zu tun? Fragen deren Beantwortung das kalte Grauen beinhalten '
Eine Folge, die beispielhaft für die Hörspielreihe steht und alle Erwartungen erfüllt, die man an eine Episode des GRUSELKABINETTs stellen mag. Wieder haben die Macher ein goldenes Händchen bei der Auswahl der Geschichte bewiesen, auch wenn Edith Wharton nicht so bekannt ist, wie beispielsweise Edgar Allan Poe oder Bram Stoker. Aber gerade deshalb stellt diese Folge eine kleine Perle innerhalb der Reihe dar, denn zum einen ist die Geschichte, die dem Hörspiel zugrunde liegt, kaum geläufig und zum anderen ist sie einfach perfekt inszeniert worden. Vor allem die leise, bedrohlich im Hintergrund spielende Musik vermittelt eine schaurige Gruselatmosphäre. Die realistischen Geräusche sind der Fantasie des Hörers äußerst hilfreich, sich das Geschehen jederzeit plastisch vorzustellen. Auch die Besetzungsliste liest sich sehr beeindruckend. Angefangen bei Susanne Uhlen, einer der bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands, bis hin zu Uli Krohm und Hasso Zorn, der sich wieder einmal als ultimativer Erzähler outet. Mit Reinhilt Schneider ist auch eine der großen Hörspiellegenden mit von der Partie. Ernst Meincke, Jochen Schröder, Frank Schaff und viele andere mehr, haben sich wahrhaft in ihre Rollen vertieft. Vor allen Dingen Dagmar von Kurmin absolviert einen ihrer besten und denkwürdigsten Auftritte, der dem Hörer eiskalte Schauer über den Rücken laufen lässt. Insgesamt ist die Geschichte eher ruhig und arbeitet mit der Ungewissheit des Hörers, was nun wirklich hinter dem Leiden von Saul Rutledge steckt. Lediglich der Schluss lässt einen gewissen Höhepunkt mit Knalleffekt vermissen. Wer sich jedoch an tristen Abenden in der kalten Jahreszeit gerne gruselt ist hier goldrichtig.