Mit "Der Glöckner von Notre Dame" setzt Titania Medien die Reihe der Doppel-CD Folgen innerhalb der Gruselkabinett Serie weiter fort. Der vorliegende erste Teil der Erzählung nach einer Vorlage von Victor Hugo beleuchtet das Geschehen auf andere und vor allem detailliertere Art und Weise als alle Verfilmungen dies je getan haben. Und da ich bislang lediglich die Verfilmung mit Anthony Quinn als Quasimodo bzw. den Animationsfilm aus dem Hause Disney kannte, war ich gespannt auf diese Hörspielumsetzung.
Und mittlerweile ist es bei Vertonungen aus dem Hause Titania Medien ja schon so, dass die in diese gesteckten Erwartungen derart hoch angesiedelt sind, dass man schon gar nicht mehr mit Enttäuschungen rechnet. Und der erste Teil des "Der Glöckner von Notre Dame" Hörspiels bleibt dem hochgesteckten und mittlerweile bereits dauerhaft erreichten Qualitätslevel der Serie treu.
An manchen Stellen mag die Umsetzung sehr detailliert und von daher ein wenig langatmig erscheinen, allerdings bekommt man dadurch einen sehr guten Einblick in die sozialen Begebenheiten der damaligen Zeit. Und speziell die Einleitung und das damit verbundene Problem der Pest ist super umgesetzt worden. Der bestens von Udo Schenk in Szene gesetzte Claude Frollo, der anfangs einen behütenden und sozialen Charakter annehmen lässt, sich dann aber recht schnell wandelt und sein wahres habgieriges und egoistisches Gesicht ans Tageslicht kehrt, bestimmt das Geschehen rund um Liebe, Verachtung, Hass und Tod.
Inhaltlich befasst sich der Teil eins mit dem Aufnehmen Quasimodos, seinen Anfangszeiten als Glöckner und der daraus resuliterenden Taubheit, seinen körperlichen und geistigen Erbrechen und der Verspottung seiner Person bei der Wahl zum Narrenkönig. Tommy Morgenstern spricht diese Rolle sehr gut und bringt die teilweise subtilen Eigenschaften des Charakters sehr gut an die Oberfläche.
Und als dann noch das Zigeunermädchen La Esmeralda aufgrund ihrer Reize in den Fokus der vorwiegend männlichen Bevölkerung rückt, nimmt das Schicksal seinen Lauf - und Auslöser ist kein Geringerer als Claude Frollo...und der Leidtragende wird sodann Quasimodo sein.
Der Sprechercast bewegt sich am absoluten oberen Limit - mehr kann man an Qualität einfach nicht in ein Hörspiel integrieren. Speziell Patrick Bach hat mir hier in der Rolle des forschen und furchtlosen Phoebus de Châteaupers hervorragend gefallen. Teilweise erinnert mich seine Art des Agierens an forsche Stellen aus der "Silas" Serie, mit der er vor über 20 Jahren den Durchbruch im Fernsehen hatte.
Aber auch Namen wie Christian Stark, Jochen Schröder, Gisela Fritsch, Kristine Walther, Kaspar Eichel oder Anita Lochner lesen sich nicht nur genial, sondern spielen die ihnen zugewiesenen Rollen ebenso.
Mit Roland Hemmo konnte man einen Erzähler gewinnen, der den Hörer sicher und emotional recht neutral und ruhig durch das Geschehen führt - eine sehr gute Wahl.
Das Treiben rund um Paris kann man wahrlich spüren. Sehr gute atmosphärische Unterlegungen sorgen für authentischen Hörspaß und das Gefühl, viele Aufnahmen seien im Freien entstanden. Ansich ist das in einem aufkommende kein neues Qualitätsgefühl, denn diesen Standard hält Titania Medien ja bereits seit der ersten Folge der Serie - und man hat ihn sich ja auch als Slogan selbst auferlegt.
Einzig ein Faktor kommt hier deutlich zu kurz...denn so wunderbar "Der Glöckner von Notre Dame" produziert ist, so gut die Rollen gesprochen und die Geräusche und Musiken umgesetzt sind, so wenig Grusel steckt leider in ihm. Aber dieses Hörspiel bleibt trotz allem ein wahrer Hörgenuss.