Frankreich im 18. Jahrhundert. Der arme Holzschuhmacher Thibaut sehnt sich danach, seinem Stand zu entfliehen. Er hat keine Chance, seine angeborenen Talente zu entfalten und erkennt durchaus die Ungerechtigkeiten des Gesellschaftssystems, in dem die Fürsten achtlos über ihre Untertanen herrschen. Als er es wagt, der Jagdgesellschaft seines Fürsten frech zu widersprechen, wird er angeschossen und ausgepeitscht. Nur die Fürsprache der schönen Agnelette rettet ihn. Gedemütigt kehrt er nach Hause zurück, wo er in derselben Nacht noch einem Wolf Zuflucht vor der Jagd bietet, der sich plötzlich in einen Menschen verwandelt. Er macht ihm ein verlockendes Angebot: Alles was er einem anderen Menschen an Bösem wünscht, soll in Erfüllung gehen. Im Gegenzug soll der Wolf für jeden Wunsch einen Teil von Thibauts Körper bekommen, der mit Wolfshaar zuwachsen wird. Thibaut nimmt an, doch nichts kommt, wie er es wünscht.
Prinzipiell ist dies eine gute Ausgangsposition für eine spannende Geschichte, allerdings fällt der Spannungsbogen ziemlich schnell ab. Dass das Geschäft mit den dunklen Mächten nichts Gutes bringen wird, war von Anfang an klar. Darüber hinaus erschlägt einem der moralische Zeigefinger geradezu: Schuster, bleib bei deinen Leisten! Begehre nicht mehr, als dir von Geburt an bestimmt ist!
Und dies stille Erdulden predigt der Autor Alexandre Dumas pére auch dann noch, wenn Thibaut bitter Unrecht widerfährt, nimmt den prügelnden und hurenden Baron noch in Schutz, lässt ihn vom Mädchen Agnelette sogar noch als guten Herren bezeichnen. Dieses Mädchen verkörpert spürbar das menschliche Idealbild Dumas', an dem jeder katholische Priester seine Freude hätte: rein, sittsam, fromm, bescheiden und sein armes Großmütterchen pflegend, verkörpert es einfach zu sehr verstaubte und verklemmte Ideale. Gewiss baut die klassische Gruselliteratur auf dem damals noch merh als heute verbreiteten Christentum auf. Jedoch diese Geschichte übertreibt es mit der Moral.
Die technische Umsetzung ist von gewohnter hoher Qualität, die Sprecherleistung ist auch gut, obwohl auch schon einmal besser (Hugo Nero Wolff spielt hörbar quasi ein zweites Mal seine Rolle aus der Blutbaronin). Die Schwächen liegen allerdings weniger in der Umsetzung, die man trotz der genannten leichten Abschnitte immer noch als sehr gut bezeichnen kann, sondern mehr in der Geschichte. Deshalb noch drei Sterne großzügig bewertet.