Nach dem enttäuschenden Zweiteiler "Das verfluchte Haus" geht es nun wieder bergauf für das "Gruselkabinett" von Titania Medien. Jedoch nicht sehr steil. Denn auch "Der Untergang des Hauses Usher" krankt an dramaturgischen Schwächen. Da ist zum Beispiel die Figur des Erzählers Philipp. Sie hat mediale Funktion, soll also dem Zuhörer irgendwie klarmachen, dass das, was sich im Hause des Roderick Usher abspielt, unheimlich ist und entsetzlich und schauderhaft. Dies gelingt dem Sprecher Oliver Feld jedoch nicht. Seine Stimme transportiert lediglich Informationen über Seelenzustände, nicht aber diese Seelenzustände selbst. Wenn er einmal von einer "bedrückenden Totenstille" redet, dann ist das etwa so bedrückend wie die täglichen Börsennachrichten. Denn wer die Bedrückung auf den Begriff bringt, hat sie auch gleich schon gebannt und sich selbst in Distanz zu ihr versetzt. Wer jedoch Grusel erzeugen will, der muss auf Unmittelbarkeit setzen, auf eine Sprache, die aufs Wesentliche zugespitzt ist - und nicht vor jedes Hauptwort ein blumiges Adjektiv setzt, damit es auch der letzte Zuhörer kapiert.
Allerdings: Wenn am Ende des Hörspiels der Sturm ums Schloss saust und es ächzt und kracht und schreit in den weiten Gewölben, dann wird's endlich so unheimlich, dass es eine Lust ist zuzuhören.
Marc Gruppe sollte also seine Sprecher weniger erklären als vielmehr spielen lassen, was sie empfinden und erfahren. Mehr szenischen Ausdruck einsetzen statt sprachliches Pathos, das wäre m. E. die Zauberformel fürs "Gruselkabinett"! Leider gibt es nur wenige Sprecher, die einen solchen Ausdruck bis zur Vollendung beherrschen. Eine davon ist glücklicherweise die wunderbare Claudia Urbschat-Mingues; sie rettet den "Untergang des Hauses Usher" tatsächlich vor dem Untergang und macht das Ganze dann doch hörenswert.
P.S.: Zwar hat sich die Aufmachung der "Gruselkabinett"-CDs um einiges verbessert gegenüber den haarsträubenden ersten Versuchen; jedoch fehlt auch in der vorliegenden CD jeglicher Hinweis auf die Quellen der verwendeten Musik. Da ich in der Folge "Die Totenbraut" ein musikalisches Thema der Metalband Kamelot eindeutig identifiziert habe, scheint mir diese Nachlässigkeit nunmehr äußerst suspekt...