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Gruppenbild mit Dame [Broschiert]

Heinrich Böll
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

1974
»Ein Erzähler, dessen Beobachtungsgabe kaum zu übertreffen ist und dessen Sensibilität und Phantasie keine Grenzen kennt, schöpft aus dem vollen.« Marcel Reich-Ranicki

Leni Pfeiffer, geborene Gruyten, Jahrgang 1922, lernt während des Krieges den sowjetischen Kriegsgefangenen Boris kennen und lieben, besorgt ihm einen deutschen Pass und muß erfahren, daß er in einem Lager der Amerikaner umkommt. Inzwischen ist sie achtundvierzig, und ihr gemeinsamer Sohn sitzt im Gefängnis, weil er auf seine Weise ein an der Mutter begangenes Unrecht korrigieren wollte ...

Ein ironisch als »Verf.« eingeführter Autor rekonstruiert aus hinterlassenen Zeugnissen, aus Gesprächen und Erinnerungen das Leben dieser Frau. Heinrich Böll ist mit diesem inzwischen zum Klassiker gewordenen Roman ein gestalten- und episodenreiches Panorama der deutschen Vor- und Nachkriegsgeschichte gelungen.

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Gruppenbild mit Dame + Ansichten eines Clowns: Roman + Die verlorene Ehre der Katharina Blum: oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erzählung
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Produktinformation

  • Broschiert: 480 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag; Auflage: N.-A. (1974)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423009594
  • ISBN-13: 978-3423009591
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12,1 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 138.883 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Noch nie war bei Böll eine solche Fülle der Motive und Milieus, der Fakten und Figuren, der Stoffe und Schauplätze zu finden. In manchen Kapiteln jagt förmlich ein Einfall den nächsten. Ein Erzähler, dessen Beobachtungsgabe kaum zu übertreffen ist und dessen Sensibilität und Phantasie keine Grenzen kennt, schöpft aus dem vollen.«
Marcel Reich-Ranicki, Die Zeit

Rezension

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Gruppenbild mit Dame
OA 1971 Form Roman Epoche Moderne
Heinrich Bölls umfangreichster Roman Gruppenbild mit Dame gilt als sein bedeutendster. Die Erstauflage von 50 000 Exemplaren war bereits bei Erscheinen vergriffen, eine zweite Auflage in gleicher Höhe wurde sofort nachgedruckt. Die Geschichte einer illegalen Liebe ist durchdrungen von politischen Aspekten und variiert Motive aus Bölls früheren Werken.
Inhalt: Ein Erzähler, der sich selbst als »Verf.« bezeichnet, recherchiert die Lebensgeschichte der 48-jährigen Leni, die jede gesellschaftliche Anpassung ablehnt und den Hass der konsum-, leistungs- und gewinnorientierten Umwelt auf sich zieht. Helene Maria Pfeiffer (Leni), 1922 als Tochter des Bauunternehmers Gruyten geboren, wurde in einer Klosterschule erzogen, war Mitglied beim Bund deutscher Mädel und heiratete nach einer flüchtigen Liebesbeziehung den Unteroffizier Alois Pfeiffer, der bald an der Ostfront starb. Leni wurde als Kranzbinderin in einer Friedhofsgärtnerei dienstverpflichtet, wo sie sich in den russischen Kriegsgefangenen Boris Koltowski verliebte. Nach dem Krieg kam er – von Leni mit einem gefälschten deutschen Militärpass ausgestattet – in französische Gefangenschaft und starb bei einem Bergwerksunglück in Lothringen. Ihren gemeinsamen Sohn Lev erzog Leni zu einem Menschen, der sich jeglicher Art von Profitdenken entgegenstellt. Nun sitzt der 23-jährige Müllmann wegen Urkundenfälschung für drei Monate im Gefängnis. Er wollte seiner Mutter helfen, die vor der Zwangsräumung ihrer Wohnung steht, weil sie sich der Angleichung ihrer Miete an die Marktpreise verweigert. Eine Straßenblockade durch Wagen der Müllabfuhr und ein extra gegründetes Hilfskomitee, dem zuletzt auch der »Verf.« beigetreten ist, verhindert, dass Leni ihr Elternhaus räumen muss.
Aufbau: Die vom fiktiven Verfasser gesammelten und montierten fiktiven und authentischen Protokolle, Briefe, Schriftstücke und Zeugenaussagen werden u. a. im Original wiedergegeben, zitiert oder nacherzählt. Hinzu kommen die bei der Befragung der 51 Auskunftspersonen zu Tage tretenden persönlichen und politischen Erlebnisse, so dass sich in 14 Kapiteln ein Panorama von Schicksalen quer durch die deutsche Geschichte von 1922 bis 1970 entfaltet. Mit dem Leser plaudernd, kommentiert der Verfasser häufig ironisch und mit trockenem Humor die Ergebnisse seiner Recherche, womit er zum Kritiker der geschilderten gesellschaftlichen Verhältnisse wird. Auch verlässt er zunehmend die durch den nachgeahmten juristisch-dokumentarischen Tonfall vermeintlich vorgegebene Ebene objektiver Berichterstattung und wird selbst Teil der Erzählung.
Wirkung: Kritik und Forschung widmeten sich insbesondere der Form des Romans. Neben dem häufig geäußerten Vorwurf der willkürlichen Anordnung des Materials gab es vielfältige Versuche, das Kompositionsprinzip zu verstehen. Die Struktur wurde u. a. mit dem Ablauf eines Gerichtsprozesses und mit einer Seligsprechung verglichen, da Leni mehrfach mit der Mutter Gottes in Beziehung gesetzt wird. Ein Jahr nach Erscheinen seines kontrovers diskutierten Romans erhielt Böll den Literaturnobelpreis.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Umfassendes Gesellschaftsbild von etwa 80 Jahren 24. November 1999
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
Heinrich Böll hat in einem Interview angegeben, daß er lediglich die Geschichte einer Frau nachzeichnen wollte, die "die ganze Last dieser Geschichte (von 1890 bis etwa 1970) mit und auf sich genommen hat". Ein etwas schwerfälliger und ironischer "Verf." erzählt die Geschichte der Helene Maria Pfeiffer Gruyten, an der sich die ganze Unmenschlichkeit der Gesellschaft vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg widerspiegelt. Das Personal des Romans ist ungeheuer vielfältig. Zahlreiche Motive (z. B. weibliche Trinität, das "Abfällige", die Unmenschlichkeit der Gesellschaft im allgemeinen), die schon aus vorherigen Erzählungen Bölls bekannt sind, finden hier ihren Niederschlag. An der Person der Leni Pfeiffer und der Gruppe, die sich langsam um sie formiert, wird die deutsche Geschichte unserer Epoche mehrfach ironisch gebrochen. Das "Gruppenbild" ist dann auch ein Querschnitt durch die Gesellschaft: Kriegsgewinnler, Konformisten, Nonkonformisten, ausländische Müllfahrer, Beamte und - nicht zu vergessen - der Herr "Hochgestellt" geben ein glaubwürdiges Bild der dargestellten Zeitspanne ab. Böll ist mit seinem umfassendsten Werk ein eindrucksvolles Porträt deutscher Zeitgeschichte gelungen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen H. Bölls Meisterwerk 2. Oktober 2010
Format:Broschiert
Dass dieses Buch nicht leicht zu lesen ist, dass es ein Kampf sein kann, ist kein Argument gegen, sondern für dieses Buch. Kein anderes Buch über die Zeit vor und nach dem 2. Weltkrieg könnte besser zeigen, was in Deutschland passierte, wer Gewinner und wer Verlierer war. Dass auch die conditio humana beleuchtet und erhellt wird, macht das Buch zu einem dauerhaften Wegbegleiter durch viele Jahre einer wiederholten Lektüre. Nie wieder hat Böll diese Höhe der Dichtkunst erreicht, nie wieder hat er besseres über Deutschland geschrieben.

Wer Angst davor hat, dass ein Buch einen Leser packen kann: Finger weg!
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartig 5. Mai 2004
Format:Broschiert
Heinrich Bölls Roman "Gruppenbild mit Dame" erschien 1971. Er erzählt die Geschichte der 48-jährigen Leni Pfeiffer, die 1922 geboren wurde. Während des Krieges besorgt Leni dem sowjetischen Kriegsgefangenen Boris, den sie kennen und lieben lernt, einen deutschen Pass. Boris, der von den Amerikanern gefangen genommen wurde, kommt bei einem Unglück in einer Kohlengrube um. Selbst der Sohn, den Leni von Boris hat, sitzt im Gefängnis.
So oder ähnlich könnte man den Inhalt des Romans "Gruppenbild mit Dame" zusammenfassen, doch eine solche Zusammenfassung würde dem Roman niemals gerecht werden. Bölls "Gruppenbild mit Dame" erzählt nämlich nicht nur die Geschichte einer Frau mittleren Alters, sondern ist viel mehr eine erzählerische Meisterleistung.

Heinrich Böll schafft es, Authentik mit Absurdem zu verknüpfen. So erscheinen seine Schilderungen erst absurd und im Nachhinein authentisch zu sein. Durch diese Darstellung entsteht eine Kritik, die den Leser zum Lachen bringt, ihn aber ebenfalls zum Nachdenken anregt.
Bölls Kritik bezieht sich auf die Sinnlosigkeit des Krieges, auf den Katholizismus, auf die Gesellschaft, auf vorschnelle Vorurteile, auf soziale Ungerechtigkeit und auf Heuchelei, vor allem in den Institutionen.

Allerdings beinhaltet der Roman nicht nur Kritik. Trotz aller Kritik ist der Roman ein Manifest der Humanität, welches das Idealbild der Klassik korrigiert. Durch die präzise Schilderung aller in dem Roman auftauchender Personen werden diese für den Leser fast alle sympathisch. Wären die Schilderungen oberflächlich gewesen, wäre das Urteil des Lesers sicherlich anders ausgefallen. Der Roman zeigt auf, dass das Leben vieler Menschen anders, also besser, hätte verlaufen können.
Durch den Roman wird ersichtlich, warum die Idealvorstellungen Kants und anderen Vertretern immer wieder scheitern. Sie scheitern nämlich nicht nur an den Menschen, sondern an den Umständen der Umwelt und an den Menschen als Gesellschaft, vor allem aber an den Institutionen.

Bölls Roman bezieht sich nicht nur auf das Dritte Reich und auf den Zweiten Weltkrieg, sondern auch auf den Generationenkonflikt, der in den 60er und 70er Jahren stattfand. Böll kritisiert die Institutionen wie sie auch von der 68er-Generation kritisiert worden sind. Er zeigt auf, dass die Institutionen vor allem in Deutschland eine wichtige Rolle spielen und das sie voller Heuchelei stecken. Trotzdem ist sein Roman auch eine Mahnung an diese Generation. Böll verdeutlicht nämlich mit seinem Roman, dass viele Verbrecher, Parteimitglieder, aber auch andere von der Gesellschaft verachtende Personen, wie Leni eine ist, menschlich sein können. Diese Personen können nicht alle über einen Kamm geschert und angeprangert werden. Sie sind in vielerlei Hinsicht Opfer ihrer Erziehung, ihrer Umwelt, also der Gesellschaft.
Jedes Mal entdeckt der Leser hinter einem maßgeblichen Unmenschen einen Menschen mit Gefühlen. Mit seinen Roman zeigt Böll eine neue Dimension der Aufklärung auf. Den Menschen muss bewusst werden, dass die Fehler anderer oftmals auf die Gesellschaft zurückzuführen sind. Daher darf nicht ein einziger Mensch verstoßen werden, sondern die Gesellschaft muss mit der Hilf aller verändert werden. Dazu würden, dass zeigt der Roman ganz deutlich, eine größere soziale Gerechtigkeit und weniger Heuchelei beitragen.
Böll geht jedoch über die bloße Kritik hinaus. Er setzt der Oberflächlichkeit und Scheinmoral der Gesellschaft die menschliche Würde, die vor allem durch Leni repräsentiert wird, entgegen. Leni stellt sich gegen die Vorurteile der Gesellschaft. Sie lehnt gesellschaftliche Anpassung ab, so fern diese nicht menschlich ist. Aus diesem Grund hat sie ihr ganzes Leben lang mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Leni wird schon fast als Heilige beschrieben, weil an ihr alles echt und nichts Schein ist.
Die Menschlichkeit, dass zeigt Böll mit seinem Roman, kann siegen, aber nur wenn die Menschen ihre Vorurteile gegenüber Menschen wie Leni ablegen würden und selbst mehr „Sein" würden als „Schein".

Ich kann „Gruppenbild mit Dame" nur jedem wärmstens empfehlen. Dieser Roman besticht durch die meisterhaft konstruierte Ironie des Autors. Hier ist jeder, wirklich jeder Satz durchdacht. Jede Beschreibung, jede Szene ergibt einen Sinn. Für mich ist dies der Jahrhundertroman des 20. Jahrhundert.

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Veröffentlicht am 8. Juli 2008 von Polar
5.0 von 5 Sternen Uneingeschränkt empfehlenswert!
Der als Verf. bezeichnete Erzähler rekonstruiert das Leben der Leni Pfeiffer. Der Roman ist dargestellt als Dokumentation. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 8. Februar 2006 von Manuel Müller
3.0 von 5 Sternen Anstrengende Lektüre
Nachdem ich vor Jahren bereits begeistert "Ansichten eines Clowns" gelesen habe, wollte ich nach unzähligen Büchern der U-Literatur (soweit man diese Unterscheidung... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 19. März 2004 von Katrin Olbrich
4.0 von 5 Sternen Erzählerische Klippen gemeistert
"Gruppenbild mit Dame" ist als gelungenster Böll-Roman anerkannt. Das Nobelpreis-Komitee bezog sich ausdrücklich auf diesen Roman. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 28. März 2003 von riosadjoe
5.0 von 5 Sternen Für Böll Fans genau das Richtige!!!
Dieses Buch Bölls hat mich von den ersten Seiten an vollkommen begeistert. Der typisch oftmals verwirrende Stil Bölls, geprägt von Rüchblenden und... Lesen Sie weiter...
Am 13. November 2000 veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Beste, menschenmoegliche Kunst
Boell ist ein grossartiger Stilist, und das Gruppenbild mit Dame ist ein Hoehepunkt seiner stilistischen Kunst. Lesen Sie weiter...
Am 28. Juli 2000 veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Auf die Dauer anstrengend
Nach der Lektüre so grossartiger Bücher Bölls wie "Ansichten eines Clowns" und "Haus ohne Hüter" muss "Gruppenbild mit Dame"... Lesen Sie weiter...
Am 6. Juli 2000 veröffentlicht
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