Heinrich Bölls Roman »Gruppenbild mit Dame« erschien 1971 und gilt als sein gelungenster Roman. Der Roman ist eine Böll-typische Erzählung, die inhaltlich den Bogen von der Kriegs-, über die Nachkriegs bis in die Wohlstandszeit schlägt.
Böll selbst sagte im Juni 1971 zu seinem Roman über die Last des Schickals: "Die Idee zu diesem Buch hat mich schon sehr lange beschäftigt, wahrscheinlich schon bei den meisten Romanen und Erzählungen, die ich bisher geschrieben habe. Ich habe versucht, das Schicksal einer deutschen Frau von etwa Ende Vierzig zu beschreiben oder zu schreiben, die die ganze Last dieser Geschichte zwischen 1922 und 1970 mit und auf sich genommen hat."
»Gruppenbild mit Dame« ist eine Erzählung über das Leben der Leni Pfeiffer. Er erzählt die Geschichte der 48-jährigen Leni Pfeiffer, die 1922 geboren wurde. Diese Leni Pfeiffer ist eine intelligente und gutherzige, aber ungebildete Frau. Ihre Familie zählt zu Beginn der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zu den Gewinnern dieser Zeit. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird ihre Familie von mehreren Schicksalsschlägen getroffen, und Leni ist schließlich fast auf sich selbst gestellt.
Gegen Ende des Krieges arbeitet sie in einer Kranz- und Blumenbinderei und lernt dort den sowjetischen Kriegsgefangenen Boris Koltowski kennen. Die beiden beginnen, obwohl dies verboten und außerordentlich gefährlich ist, eine Liebesbeziehung, und Leni gebiert kurz vor Ende des Krieges ein Kind von Boris. Boris, der von den Amerikanern gefangen genommen wurde, kommt bei einem Unglück in einer Kohlengrube um. Selbst der Sohn, den Leni von Boris hat, sitzt im Gefängnis.
Das "Gruppenbild" entsteht, als Böll um sich die Person der Leni Pfeiffer langsam eine Gruppe formiert. An der Person der Leni Pfeiffer und der Gruppe, die sich langsam um sie formiert, wird die deutsche Geschichte unserer Epoche mehrfach ironisch gebrochen. Das "Gruppenbild" ist dann auch ein Querschnitt durch die Gesellschaft: Kriegsgewinnler, Konformisten, Nonkonformisten, ausländische Müllfahrer, Beamte und - nicht zu vergessen - der Herr "Hochgestellt" geben ein glaubwürdiges Bild der dargestellten Zeitspanne ab. Böll ist mit seinem umfassendsten Werk ein eindrucksvolles Porträt deutscher Zeitgeschichte gelungen.
Böll zeichnet ein Sittenbild der Gesellschaft und ihm ist ein eindrucksvolles Porträt deutscher Nachkriegs- und Zeitgeschichte gelungen. Dieser Roman ist dabei sowohl eine dokumentarische Widmung als auch eine Art poetische Dokumentation.