Das Lehrbuch des Frankfurter Sportpädagogen Robert Prohl ist neben der Einführung von Krüger und Grupe sicherlich eines der beiden grundlegendsten Einführungen in die Theorie der Sportpädagogik, weshalb man auch die viel versprechende Titelwahl Grundriß der Sportpädagogik" nur als konsequent bezeichnen kann. Der Verfasser nimmt eine Grundlegung der Sportpädagogik vor und bestimmt ihren Standort innerhalb des Disziplinenspektrums der Sportwissenschaft. Das anspruchsvolle und gleichermaßen leserlich geschriebene Buch richtet sich vornehmlich an Sportstudierende aller Lehrämter, aber auch an andere Leser mit sportpädagogischem Interesse (z.B. Trainer und Übungsleiter). Das 344 Seiten umfassende Werk ist in drei Schwerpunkten mit insgesamt 20 Kapiteln aufgeteilt und beginnt mit einer problemgeschichtlichen Perspektive der Sportpädagogik in Deutschland vom 18, Jahrhundert bis zur Gegenwart (S. 25 - 91). Prohl beleuchtet hier historische Ankerpunkte des Faches, in dem er den Bogen ganz klassisch von Rousseau ausgehend über die Philantrophen, Pestalozzi, die Turnbewegung (Jahn), das so genannte Schulturnen (Spieß) und die reformpädagogische Leibeserziehung im 19. Und 20. Jahrhundert bis hin zur politischen Leibeserziehung im Nationalsozialismus und die Körpererziehung in der DDR sowie zur Theorie der Leibeserziehung in der Nachkriegszeit und die Curriculumtheorie des Sports (siebziger Jahre) schlägt.
Im Teil B arbeitet der Verfasser die bildungstheoretische Perspektive des Faches auf (S. 92 - 202) und lässt dabei seine eigene Verbindung als Vertreter dieser Perspektive, die auch in der allgemeinen Pädagogikdiskussion gegenwärtig wieder Boden gewinnt, durchblicken. Abgeschlossen wird das Buch mit einem wiederum mehr als 100 Seiten umfassenden Teil zur erziehungswissenschaftlichen Perspektive der Sportpädagogik (203 - 307). Hier bezieht der Autor unter anderem zum Forschungsprofil der Sportpädagogik Position, das er sowohl im Verhältnis zwischen Sportwissenschaft und Sportpädagogik, als auch mit Blick auf philosophische und wissenschaftstheoretische Bezüge sowie auf ein normatives Fundament des Forschungsprofils erläutert. Darüber hinaus legt Prohl mit seinen Ausführungen zur Leiblichkeit und zum Sich-Bewegen" auch den Gegenstand des Faches dar und leitet hieraus in den Folgekapiteln Konsequenzen für den Einsatz der Bewegungserziehung als Entwicklungsförderung (S. 236 - 252) sowie zu den sportpädagogischen Grundlagen des Lehrens von Bewegungen (253 - 273) ab. Abgeschlossen wird das Buch schließlich mit einem Überblickkapitel, in dem Robert Prohl nach den Leistungen der Sportpädagogik fragt und dabei noch einmal jeweils die problemgeschichtliche, bildungstheoretische und erziehungswissenschaftliche Perspektive in den Blick nimmt. In dem Buch werden nicht nur Wissensgrundlagen des Faches referiert, sondern auch weiterführende Anstöße für die fachwissenschaftliche Diskussion gegeben, weshalb das Buch sich längst zum Standardwerk gemausert hat, mit dem viele Kollegen an den Hochschulen ihre Lehrveranstaltungen zur Sportpädagogik bestreiten.