Über zwanzig Jahre nachdem der erste Band des neuen "Überweg" erschien, liegt nun die Platon-Darstellung dieser Reihe vor. Einziger Verfasser ist Michael Erler, der die Aufgabe vom ursprünglich beauftragten, aber zwischenzeitlich verstorbenen, Konrad Gaiser übernahm.
Der Text ist in bewährter Form gegliedert. Auf einen kurzen Abriss des Forschungsstandes folgen zunächst biographische Angaben und ein Kapitel über "Platon als Autor", dann die ausführliche Zusammenfassung aller echten und unechten Schriften des Philosophen (240 Seiten) und eine systematische Darstellung seines Denkens (180 Seiten). Abschließend wird die Nachwirkung Platons in der europäischen Geistesgeschichte umrissen.
Ebenso erfreulich wie Erlers klarer, leicht lesbarer Stil ist die gelungene Verknüpfung von Philologie und Philosophie sowie der Umstand, dass die neueren Erkenntnisse (H. Krämer, K. Gaiser, G. Reale) über Platons "ungeschriebene Lehre" in die Darstellung einbezogen werden.
In Umfang, Akribie und Gelehrsamkeit sprengt das Buch alle Maßstäbe. Allein die Bibliographie umfasst nahezu 200 Seiten (6559 Titel!), was sie länger macht als den gesamten Platon-Abschnitt der letzten Auflage des "Überweg". Die Aufmerksamkeit, die Platon hier zuteil wird, ist im Rahmen einer allgemeinen Philosophiegeschichte einzigartig und wird selbst von den meisten Monographien nicht erreicht.
Wer sich eingehender mit dem vielleicht bedeutendsten Philosophen Europas beschäftigen möchte, sollte den hohen Preis nicht scheuen. Das Buch ist jeden Cent wert.