Das Buch kann als Einfürung in die chinesische Medizin betrachtet werden. Auf sehr einfache Weise werden die Grundbegriffe der chinesischen Medizin erklärt, wobei sehr vieles, was auch für den Einsteiger wichtig wäre, auf der Strecke bleibt. So wird z.B: auf eine klare Darstellung der Qi-Produktion verzichtet, die Darstellung der Qi-Arten ist nicht komplett. Die Darstellung der "Meridiane und Organe" (Kap. 5) verzichtet auf eine erhellende Unterscheidung zwischen Speicher- und Palastorganen. Was zeichnet sie aus, woher kommt das Konzept etc.? Das eine oder andere Zitat etwa aus dem Huangdi neijing - wie man es etwa bei Schnorrenberger findet - hätte durchaus aufklärerischen Effekt und würde dem Leser die Eigenheit des chinesischen Denkens näher bringen. Hinweise und Verweise auf die dargestellten Fakten finden sich nicht, lediglich generelle Anmerkungen wie "im Allgemeinen" oder "nach traditioneller Vorstellung". Das Leitbahnenkonzept als ein Repräsentant der Vorstellung vom Menschen als Mikrokosmos im Makrokosmos wird an keiner Stelle erwähnt, was bleibt ist die plastische plakative Darstellung der Leitbahnen, ihrer Umläufe und ihrer Namen. Bei der Darstellung der Punktearten hätte man vielleicht erwähnen können, dass die 8 Öffnungspunkte (bahui xue) meist als Paar gesehen und in der Praxis genadelt werden und dass sich entsprechende Theorien an diese Kombinationen knüpfen. Die Übersetzungen der Punktenamen sollten nicht zu wörtlich genommen werden. Die "Akupunkturtherapie spezieller Krankheitsbilder" (Kap. 15) beschränkt sich auf allgemeine Darstellungen - wir übrigens die Ausführungen zu den Vier Diagnoseverfahren und der Acht Leitkriterien auch - , auf Differentialdiagnosen wird weitestgehend verzichtet. So bleibt das Ganze zwar ein relativ großes Werk, jedoch eines, das sich ganz an der Oberfläche bewegt und für den Einsteiger keinen wirklichen Einstieg in das Denken der chinesischen Medizin liefert. Gut ist die Darstellung der wissenschaftlichen Grundlagen der Akupunktur, hier stellt der Autor unter Beweis, dass er aus der Ecke der Schulmedizin kommt; und zusammen mit den übrigen Ausführungen gesehen, erhält man den Eindruck, dass er die chinesische Medizin vielleicht auch lieber aus "sicherer Entfernung" betrachten möchte.