Ein Grundlagenwerk für technische Redakteure, verfasst von einem technischen Redakteur, der sehr selbstbewußt und zielstrebig ein Unternehmen für technische Dienstleistungen aufgebaut hat - das scheint vielversprechend zu sein. Man erwartet, dass Erfahrungen und Empfehlungen dargestellt werden, dass "aus dem Nähkästchen" geplaudert wird, ein Nachschlagewerk für die Kollegen, strukturiert Methoden erarbeitet werden.
Was man für sehr viel Geld erhält: ein Sammelsurium altbekannter Empfehlungen, besser dargestellt von den eigentlichen Autoren, die hier als "Inspiration" dienen, leider ohne Nennung ihrer Namen. Dass technische Dokumentationen strukturiert und modularisiert zu sein haben, übersetzungsgerecht und frei von Rechtschreibfehlern, weiß jeder, der in diesem Bereich arbeitet. Dass man nach Prof. J. Muthigs und Prof. R. Schäfflein-Armbrusters Funktionsdesign vorgehen kann oder sich anhand der IMAP-Methode durch technische Gebrauchstexte arbeitet, sind Binsenweisheiten. Es wird nicht dargestellt, wie man genau diese Wunderdinge wie Kostenreduktion, schnelle Dokumentationserstellung usw erstellt, sondern nur global empfohlen.
Der Autor traut sich, ein Buch zu veröffentlichen, ohne ein einziges Mal auf weiterführende Literatur zu verweisen, wie es gerade bei wissenschaftlichen Fachverlagen wie J. Springer doch eigentlich unabdingbare Voraussetzung sein sollte.
Manchmal offenbart sich eine peinliche Wissenslücke (wie zu den Geltungsbereichen von EU-Normen und -Richtlinien), die man durch gezielte Recherche hätte beseitigen können - tägliches Brot für einen technischen Redakteur.
Vergleicht man inhaltliche Gewichtigkeit mit dem im selben Verlag erschienenen Standardwerk von D. Juhl (sogar ein Drittel preiswerter), dann ersteht man ein intellektuelles Fliegengewicht zu deutlich überteuertem Preis. Vergleicht man inhaltliche Brillanz mit dem zeitgleich erschienenen Buch zur Technischen Dokumentation von den renommierten Professoren an der FH Karlsruhe, Dr. W. Ziegler und Dr. P. Drewer, erhält man einen Groschenroman statt fundierter Fachliteratur - und zahlt mehr als das Doppelte dafür für weniger als die Hälfte der Seiten.
Was bleibt: Enttäuschung auf ganzer Linie. Leider keine Empfehlung für das Unternehmen, dessen Geschäftsführer durch seine eigene Profilierungsehnsucht keine Visitenkarte abgegeben hat.