Mit dem Studienbuch verknüpft der Autor den Anspruch "zur kritischen theoriegeleiteten Auseinandersetzung mit der Vielfalt heilpädagogischer Problemstellungen" hinzuführen, "gleichzeitig aber auch ein Wegweiser zum vertieften Eindringen ins Fach zu sein" (S. 7). Es soll "Basiswissen vermitteln, für wissenschaftliche Problemlagen sensibilisieren und gleichzeitig Themenbereiche für das vertiefte Studium" erschließen (ebd.). Dabei zielt es eher auf einen "einführend enzyklopädischen Zugang, der einen breiten Überblick verschaffen, unterschiedliche Positionen zusammenfassen und Schlüssel für eine weitere vertiefte Erarbeitung sein will". Dieser Anspruch wird im Buch konsequent umgesetzt und auch erreicht.
In methodischer Hinsicht orientiert es sich auffallend am weitverbreiteten Buch "Pädagogisches Grundwissen" von Herbert Gudjons, wie der Autor auch einräumt (S. 10). So beginnt jedes Kapitel mit einer Kurzübersicht ("Worum es geht...") und endet zumeist mit einer Arbeitsaufgabe, die nicht memorierend abfragt, sondern zum Weiterdenken auf der Grundlage des vorher vermittelten animieren möchte. Darüber hinaus gibt es kommentierte Literaturempfehlungen, vereinzelt Falldarstellungen zur Veranschaulichung der zuvor vermittelten Inhalte und Hinweise auf brauchbare Websites, über die sich Ergänzendes zum jeweiligen Kapitel recherchieren lässt.
Inhaltlich positioniert sich das Buch in mehrfacher Hinsicht. Es beansprucht den gewachsenen Theoriebestand der Heil- und Sonderpädagogik mit dem Ansatz einer Inklusiven Pädagogik zu verknüpfen und weist immer wieder auf Kontinuitäten beider Zugänge hin, trotz vordergründiger rhetorischer Differenzen. Mit der Betonung auf den Rechten behinderter Menschen durchzieht eine politische Positionierung in weiten Teilen die pädagogische Argumentation. Die Orientierung an der ICF, die in diesem Buch ungewöhnlich ausführlich dargelegt und erklärt wird, stellt einen weiteren inhaltlichen Orientierungspunkt dar.
Die Herausforderung für Studierende, die sich erstmals dem Themengebiet nähern, besteht in der Fülle der Inhalte, mit der Leserinnen und Leser auf verhältnismäßig wenig Raum konfrontiert werden. So ist es wohl eher ein Buch, das den Studienverlauf über Jahre durchgängig begleiten kann und sich zum Nachschlagen, auch bei der Suche nach vertiefender Literatur, eignet. Eine schnell lesbare erste Einführung in die Basics des Fachs ist es eher nicht.