Die 3 Bände von Metzingers Grundkurs Philosophie des Geistes: Phänomenales Bewußtsein (Bd.1), Das Leib-Seele-Problem (Bd.2) und jetzt Intentionalität und mentale Repräsentation (Bd.3) gehören mit zum Besten, was ich an wissenschaftlicher Lehrliteratur bisher kennen gelernt habe.
Metzinger lässt in den 3 Bänden international namhafte Wissenschaftler zu Wort kommen. Nach einer generellen Einführung gibt er zu jedem Beitrag eine Einleitung, in der er die Kernthese des Beitrags vorstellt und dazu Fragen formuliert, die zu eigenem Nachdenken anregen.
An den Beiträgen des 3. Bandes, von dem hier die Rede sein soll, fallen die breit gefächerten Forschungsansätze und Erklärungsebenen auf. Hier erscheint die These der Biosemantik plausibel, nach der sich, wie Metzinger beschreibt, intentionale Eigenschaften aus der evolutionären Selektionsgeschichte heraus verstehen lassen. Bei den ersten Lebewesen mit Selbsterhaltungstrieb werden die rudimentären und sehr grob strukturierten mentalen Repräsentationen sowie die darauf basierende Intentionalität der Auslösung motorischer Reflexe (Flucht oder Angriff) gedient haben. Im Zuge der Evolution hat sich dann das neuronale Netzwerk des Gehirns zu immer mehr innerer Komplexität entwickelt, die die Übernahme anspruchsvollerer Aufgaben ermöglichte.
Eine tiefere und noch schwierigere Erklärungsebene befassst sich mit der Frage, wie genau unser neuronales Netzwerk mit seinen synchron und mit abgestimmten Frequenzen feuernden Neuronenverbänden Information bearbeitet und verwaltet. Als plausibler Ansatz erscheint hier Fodors These einer nach Effizienzkriterien syntaktisch aufgebauten so genannten Sprache des Geistes - nicht zu verwechseln mit unseren kommunikativen Sprachen; diese bildeten sich vermutlich analog zu der erst in Anfängen verstandenen Arbeitsstruktur unseres Gehirns als Modell der Sprache des Geistes wie es Dennett formuliert.
Der Band enthält weitere hoch interessante Beiträge, z.B. die berühmten
Gedankenexperimente Putnams zur Intentionalität, Bedeutung und Möglichkeit wahren Wissens oder Paul Churchlands Beschreibung künstlicher Netzwerke, die sich durch eine geeignete Kodierung, die den Annahmen über die Verarbeitung von Sinneseindrücken durch das neuronale Netzwerk nachgebildetet ist, auf Gesichtererkennung und Wiedergabe von Symbolen trainieren lassen.
Es empfiehlt sich, Metzingers eigenen, nicht in Band 3 enthaltenen Beitrag, die
Selbstmodell- Theorie der Subjektivität und das Phänomenale Modell der
Intentionalitätsrelation (kurz in Band 1, ausführlich in seinem Hauptwerk, Being No One) als Ergänzung zu lesen.
Natürlich steht die interdisziplinäre Forschung zu Gehirn und Geist noch ziemlich am Anfang; sie ist aber meines Erachtens neben der modernen Kosmologie das Spannendste, was die Wissenschaften der heutigen Zeit zu bieten haben.