Zur Einführung in das Pflanzenbestimmen liegen derzeit mehrere Bücher vor, in denen die Thematik auf verschiedene Weise behandelt wird. Rita Lüders gibt nicht nur Daten zu Merkmalen, die bei der Bestimmung wichtig werden, darunter vor allem auch eine Charakteristik der behandelten Familien, sondern sie übt auch das Bestimmen selbst an Hand vereinfachter Tabellen. Zielsetzung ist es, auf das Bestimmen mit dem "Schmeil-Fitschen" vorzubereiten. Der besondere Reiz des handlichen Buches liegt in seinen zahlreichen, meist ausgezeichneten Farbfotos, die in geradezu üppiger Fülle geboten werden - für den Anfänger eine willkommene Hilfe.
Leider enthält das Buch durchgehend teils gravierende Fehler. Nur einige Beispiele: Bei der Vorstellung der Familien finden sich jeweils rechts im Bild "Blütenquerschnitte". Dabei handelt es sich jedoch um Längsschnitte. Die jeweils als roter Strich eingezogenen "Blütenachsen" sind keine Blütenachsen, sondern deuten Querschnittsebenen durch die jeweilige Blüte an. Im "Schmeil-Fitschen" wird unter Blütenachse wie üblich der Blütenboden verstanden. Lüders unterscheider aber zwischen ihrer
sog. "Blütenachse" und dem Blütenboden (S.24). Von der angestrebten Hinleitung zum "Schmeil-Fitschen" kann hier keine Rede sein. - Von zugelassenen Ausnahmen abgesehen enden die Klassen auf -opsida (früher -atae)und nicht auf -ae oder -da
(S.9). - In der Blütenformel der Brassicaceae findet sich "+" als Zeichen für Disymmetrie (S.205). Die auf S.31 fällige Erklärung fehlt jedoch. Dafür findet sich dort wieder ein Fehler. Denn radiäre Blüten weisen nicht "mindestens zwei" (S.31), sondern mehr als zwei Symmetrieebenen auf.- Die Längsschnitte durch Glockenblumen (S.30, 274, Nachsatz) sind falsch: Wenn die Narbenlappen schon derart weit auseinander spreizen, haben die Staubblätter ihren Pollen längst im Griffelbereich abgeladen und liegen eingeschnurrt über dem Blütengrund. - Der Rote Fingerhut führt 4 und nicht 5 Staubblätter wie im Blütendiagramm auf S. 256. - Die umgebildeten Staubblätter des Sumpf-Herzblatts geben "oben" keine "zuckerfreien Wassertröpfchen" ab (S,28), sondern die Knäufe dort bestehen aus festem Gewebe.
Nur noch ein Satz, der Fehler geradezu gebündelt enthält:
"Das Colchicin wird auch in der Pflanzenzüchtung zur Erzeugung polyploider Zellen (sie enthalten mehr als die üblichen zwei
Zellkerne) benutzt, da es sie Zellteilung hemmt" (S.304). Wenigsten bei den "üblichen zwei Zellkernen" dürfte sogar der Anfänger seine Zweifel haben.
Zu den positiven Aspekten gehören außer der hervorragenden Bebilderung auch zahlreiche Hinweise der engagierten Autorin zu Schwierigkeiten beim Bestimmen. Dem auch vom Konzept her prinzipiell begrüßenswerten Buch sei ein rascher Absatz gewünscht, damit bald eine Neuauflage fällig wird. Der Verlag sollte sie von Fachfrauen oder -männern durchsehen lassen. Dann kann eine vorbildliche Anleitung zum Pflanzenbestimmen entstehen, die nicht nur der Anfänger, sondern auch der Fortgeschrittene gerne zur Hand nimmt.