Dies ist der Folgeband zu dem "Taschenlexikon der Amphibien und Reptilien Europas" vom gleichen Autor und dient der Arbeit im Feld, beschäftigt sich also mit dem Auffinden, dem Fang und der Bestimmung der Arten. Nach einer kurzen Charakterisierung der Amphibien und Reptilien (9 Seiten) und einer systematischen Artenliste folgt eine exemplarische und reichhaltig bebilderte Vorstellung einiger interessanter Lebensräume in ganz Europa. Es schließen sich sehr detaillierte Kapitel zu den Feldmethoden für die Arbeit mit Amphibien (55 Seiten) und Reptilien (30 Seiten) an, in denen vom einfachen Beobachten bis hin zu den verschiedenen feldbiologischen Methoden (incl. Fang) die verschiedenen Aspekte ambitionierter Beschäftigung mit dieser Tiergruppe sehr ausführlich vorgestellt werden und das Buch über die reine Bestimmung sehr lesenswert machen, da sie den Leser von dem ungemein reichhaltigen Erfahrungsschatz des Autors profitieren lassen. Diese Kapitel gehen weit über die einfache Beobachtung des "Hobby-Herpetologen" hinaus und streifen auch wissenschaftliche Fragestellungen. Kapitel 7 beschäftigt sich mit der Bestimmung der Amphibien - und zwar vom Laich über die verschiedenen Larvenstadien bis hin zu den ausgewachsenen Tieren (102 Seiten). Ähnlich umfangreich der sich anschließende Reptilienbestimmungsschlüssel über 132 Seiten. Beide sind außergewöhnlich reichhaltig mit aussagekräftigen Fotos bebildert, ergänzt um sehr gute Diagramme, Detailaufnahmen und bei häufigen/ähnlichen Arten auch detailliert aufgebauten Tabellen. Dabei wird - wichtig, wenn man sich mit dem gesamten Großraum Europas beschäftigt - besonders auf die regionale Verbreitung hingewiesen, da in bestimmten Gebieten natürlich auch nur bestimmte Arten zu erwarten sind. Den Abschluss bildet eine Anleitung zur Kartographierung und ein umfangreiches Literaturverzeichnis.
Dies Buch geht weit über das hinaus, was man von einem "reinen" Bestimmungsbuch erwarten darf und beschreibt die feldbiologische Arbeit in einer Akribie, wie man sie sonst nur in speziellen Handbüchern für Spezialisten finden kann (man beachte aber stets die Naturschutz-Richtlinien!). Der Text ist gespickt mit hochinteressanten Tipps und Hilfen, die man vom ausgewiesenen Praktiker bekommt. Daneben aber auch der Bestimmungsschlüssel. Ähnlich wie schon das "Taschenlexikon" finden sich auch hier zahllose hervorragende Fotos von Arten, die man kaum in dieser Fülle in anderen Büchern zu diesem Thema finden kann (auch im KWET werden weniger Arten vorgestellt). Das macht dies Buch wirklich zu einem echten Standardwerk, da auch Jugendformen (bis hin zum Laich) in ausführlichen Schlüsseln bestimmt werden können. Beachtet man aber nicht, dass man in jeder Region Europas auch nur mit einem gewissen Spektrum der Arten rechnen darf, kann einen die Fülle an Arten und Daten u. U. aber auch verwirren. Deshalb finde ich es gut, dass der Autor vielfach an den Anfang der Bestimmung darauf hingewiesen hat, in welchem Teil dieses Kontinents gerade dieser oder jener Schlüssel Relevanz hat. Ergänzt wird dieses Unterfangen durch zahlreiche großformatige Verbreitungskarten, die (wie schon im Taschenlexikon) aber leider nicht für alle 270 Arten zur Verfügung stehen. Die Fotos ergänzen diesen Schlüssel sehr und ich empfehle, die ausführlichen Artbeschreibungen aus diem Taschenlexikon neben dem Bestimmungsschlüssel liegen zu haben.
Fazit: ein wirklich schönes Buch - insbesondere in Kombination mit dem Taschenlexikon, das neben dem umfangreichen Bestimmungsschlüssel (für den Einsteiger: nicht gleich entmutigen lassen bei der Fülle von Arten), der hervorragend illustriert ist, auch durch die Beschreibung der feldbiologischen Methoden, die dem Herpetologen zur Verfügung stehen, besticht. Sehr zu empfehlen.