F. de Saussure wird oft als Begründer der modernen Sprachwissenschaft gesehen, und viele der Beschreibungsmuster für Sprachphänomene erfreuen sich noch heute großer Beliebtheit: Sprache als (Schach-)Spiel, die Untrennbarkeit von Bezeichnung und Bezeichnetem ("untrennbar verbunden wie die beiden Seiten eines Blattes Papier"), die Unterscheidung von langue, parole und langage und von Diachronie und Synchronie, ...
Doch war seine Untersuchung der Sprache nur Teil einer allgemeinen, erst auszubildenden Wissenschaft der Zeichensysteme, der "sémiologie", die man heute allgemein eher als Semiotik bezeichnet. Diese Wissenschaft wäre wiesderum Teil der allumfassenden Wissenschaft vom Menschen, der Sozialpsychologie.
Warum heißt das Buch dann dennoch nur "Grundfragen der Allgemeinen Sprachwissenschaft (Cours de linguistique générale)"? Es entstand aus Vorlesungsskripten zum Thema Sprache, die von seinen Schülern Charles Bally und Albert Sechehaye nach seinem Tode zu einem Buch zusammengefasst wurden.