fritz riemann, psychoanalytiker, behandelt in den hier ausgewählten aufsätzen, die er zwischen 1952 und 1964 in vorträgen hielt, die von ihm in seiner langjährigen psychoanalytischen tätigkeit gewonnenen und strukturierten einsichten. er unterteilt in 2 x 2 gegensatzpaare: hysterische und zwanghafte persönlichkeit sowie depressive und schizoide. er beschreibt im ersten teil des buches die grundsätzlichen eigenschaften der von ihm so unterteilten gruppen (hysterisch: ohne grenzen, leben in einer "augenblickseinstellung ohne vergangenheit und zukunft und somit ohne ursache - wirkungsverständnis / zwanghaft: klebend, haftend, mangel an spontaneität, traditionsbelastet, kommen nicht in die handlung, kontrolliert, reflektiert // depressiv: welt wird immer mit forderungscharakter erlebt, ständig schuldgefühle / schizoid: beziehungen meidend, kühle distanz, angst vor vereinnahmung) sowie sogenannte "keimsituationen". diese "keimsituationen sind situationen, in denen die der struktur typische konstellation auftritt und mit ihr die chance für änderung oder die gefahr des tieferen "einspurens" der persönlichkeit (z.b. Forderungssituation für eine depressive struktur: erfahrung machen, dass das gegenüber auch mit dem, was gegeben wird, zufrieden ist kann eine heilungschance sein; erfahrung machen, dass dann mehr gefordert wird, spurt es tiefer ein). Er zeigt auf, wie stark die jeder persönlichkeit innewohnende tendenz ist, "bestätigende erfahrungen" zu machen und zeigt auf, wie in der analytischen situation darauf eingegangen werden sollte.
im zweiten und ebenfalls sehr spannenden teil des buches geht er auf die ebenso unterteilbaren persönlichkeiten des analytikers selbst ein, erfasst sehr vielseitig die stärken und schwächen, die mit dem jeweiligen persönlichkeitsstil verbunden sind (hysterische person: kann schnell und empathisch kontakt herstellen, hat aber für schwierige, lange zeit dauernde krankheitsbilder nicht die ausdauer / zwanghafter analytiker: ist ausdauernd, sorgsam und gewissenhaft, versteckt sich aber hinter der methode / schizoider therapeut: ist genial intuitiv, kann aber keine gefühlsmäßige beziehung herstellen / depressiver therapeut ist sehr empathisch, jedoch in der gefahr, den patienten zu sehr zu schonen) sowie die daraus resultierenden stärken und schwächen der jeweiligen analytiker - patient - beziehungsmöglichkeiten (depressiver patient fühlt sich bei zwanghaftem analytiker zunächst wohl, bekommt aber zu wenig chance, gefühlsmäßig nachzureifen und bekommt noch mehr "über - ich"). die vielseitigen möglichkeiten werden gewissenhaft und nachvollziehbar beleuchtet.
im letzten "aufsatz" gibt er selbstauskunft, nimmt zu seiner beschäftigung mit der astrologie stellung und zu seinem stand in der analytikergemeinde.
mir hat das buch sehr gefallen, ich konnte viele dinge aus eigener erfahrung bestätigen, fand mich, meine beziehungen privater und geschäftlicher art in vielen beschreibung sehr gut wieder und konnte praxisrelevant davon profitieren.
auf alle fälle werde ich die weiteren bücher von ihm lesen, da ich diese aufsätze, die aus den 60 iger jahren des letzten jahrtausends stammen, trotz der einfachheit seines systems (vier persönlichkeitstypen), als sehr hilfreich in meine tätigkeit integrieren kann.