Grundsätzlich halte ich die Grundeinstellung von Dr. Reiner Klimke und seine schonende, aber fordernde Jungpferdearbeit für die einzige sportlich korrekte Methode ein Jungpferd auszubilden.
Seine Aufforderung jungen Pferden zusätzlich zur klassischen Dressur durch Geländearbeit und Galoppbahn Abwechslung zu bieten, ist absolut richtig. Seine Forderung dem jungen Pferd nach den ersten Schritten unter dem Sattel eine Weidepause einzuräumen ist vorbildlich. Dass diese Methode in der Praxis Erfolg bringt und bei richtiger Handhabung keinesfalls die Ausbildung zeitlich verlängert halte ich für wegweisend. Klimke, bzw. seine Tochter und sein Sohn, haben wohl hinreichend bewiesen dass diese Methode Erfolg bringt.
Trotzdem muss einfach angesprochen werden dass die Haltungs- und Bewegungs-Ratschläge in diesem Buch ganz einfach überholt sind. Ein Jungpferd mit 15 Minuten Freilauf (bzw. Ausgebunden) in der Halle abzufertigen und es dann den restlichen Tag in der Box stehen zu lassen ist einfach nicht (mehr) zeitgemäß.
Obwohl die Übungen in diesem Buch gut aufeinander aufbauen und die wesentliche Schritte in der Grundausbildung behandelt werden, fehlen mir manchmal Erklärungen: Welche Vorteile bringt dieser Weg gegenüber anderen? Da sich dieses Buch, allein schon durch das Thema, an fortgeschrittene Reiter richtet, hätte ich teilweise mehr Detail erwartet. Wer bereits verantwortungsbewusst Pferde angeritten hat, der wird nicht viele neue Tipps bekommen, für diejenigen die sich zum ersten mal an diesen Schritt heranwagen aber sicher ein guter Leitfaden.
Dieses Buch ist trotz der Kritik die Anschaffung wert, alleine schon um von einem Weltklasse-Reiter schwarz auf weiß zu lesen, dass die Hauruck-Methode in der Ausbildung von Jungpferden keinen Platz und Sinn hat.