Wer mehr über die Gruftieszene an sich erfahren möchte, sollte doch besser zu anderen Publikationen greifen. Diese wissenschaftliche Arbeit behandelt, was der Titel nicht unbedingt erwarten lässt, nämlich ausschließlich den Modestil dieser Jugendkultur, ein unbestreitbar wichtiger Teil von ihr. Die historischen Hintergründe zur Mode werden kurz erwähnt (wirklich sehr interessante Informationen), aber andere wichtige Aspekte, wie die szene-internen Strukturen und Philosophien werden nur oberflächlich angerissen.
Sicher muss man den Autoren zu Gute halten, dass es sehr schwer ist, eine so vielfältige Kultur zu erfassen, auch wenn man sich auf die Kleidung beschränkt. Andererseits verbleiben sie auch in diesen Ausführungen stets in den altbekannten Stereotypen und Klischees. Sollte es vielleicht daran liegen, dass die Autoren den näheren Kontakt zu der Szene an sich gescheut zu haben scheinen und ihre Infos aus "sicherer Entfernung" aus älteren Publikationen und dem X-tra-Katalog gewinnen? Kein Wunder, dass wenig Neues kommt. Etliche Kleidungsstile jenseits von X-tra bleiben unangesprochen ( z.B. fehlt der Genderaspekt durch den Topos der Androgynität im allgemeinen oder des femininen Aussehens bei Männern, ebenso das nähere Eingehen auf die recht verbreitete Bekleidungsform von "echten" körperverändernden Korsetts).
Die Autoren wiederholen ihre interpretatorischen Weisheiten ständig, so dass man am Ende fast mitzitieren kann. Auch hätten selbstgemachte Fotos eher von dem Willen der Autoren, sich auf die Szene einzulassen, gezeugt als eben jene qualitativ schlechten aus dem genannten "Underground"-Katalog. Jeder weiß, dass Otto-Normal-Verbraucher auch nicht die komplette Otto-Versand-Kollektion am Leibe tragen. Wieso kommen die Verfasser dieser Publikation dann nicht darauf, dass das Durchblättern eines Gruftie-Versand-Katalogs als stichhaltige Quelle niemals ausreichen kann, zumal es sich hier um eine der kreativsten Szenen handelt? Alles in allem für mich eher enttäuschend.