Christopher Young darf mal wieder Horror vertonen, und wer Youngs Arbeiten kennt, der weiß, dass seine Horrorscores wie z.B. "Hellraiser" oder "The Dark Half" Meisterwerke des Genres sind. Nun steht mit dem Remake des japanischen Kulthorrors "Ju-On" als "The Grudge" erneut ein Hollywood-typisch "aufgemotzter" Horrorschocker im Stile von "The Ring" an, und wenn man den ersten Track auf der CD hört fühlt man sich hier auch etwas an Zimmers Score zu letzterem erinnert: Es beginnt düster und bedrohlich mit Synthie- und Streicherklangteppichen, denen man zunächst schwerlich melodiöse Elemente entnehmen kann. Dann führt Young sein einziges markanteres Leitmotiv ein: Ein Motiv getragen von Streicher- oder vielmehr Harfenläufen, die einer düsteren Akkordlinie folgen und etwas an die morbideren Werke von Elfman, Silvestri und nicht zuletzt an Zimmers "The Ring" erinnern. Wer jetzt nach Track 1 allerdings etwas grundsätzlich Anderes als das bisher Gehörte erwartet, wird enttäuscht sein. Young webt weiter seine düsteren und bedrohlichen Klangteppiche, die mit akustischen Akzenten für Schockeffekte sorgen sollen. Des weiteren lässt er sich oft zu schön schaurig dissonanten Klangeskapaden hinreißen, die zwar nichts für einen gemütlichen Abend zu zweit am Kamin sind, dafür aber eine herrlich düstere Stimmung aufbauen. Zwischendrin blinzeln ab und zu wieder Streicherläufe durch, die jedoch bis auf den letzten Track, in dem Young sein Leitmotiv aus Track 1 wiederholt, nie die Oberhand gewinnen und stets von düsteren Klangteppichen eingehüllt werden. Der Score hat dadurch zwar weniger Erinnerungswert und wird beim ersten Hören vielleicht auch enttäuschen. Wer aber stimmungsvolle und vor allem abgrundtief düstere und streckenweise herrlich dissonante Horror-Musik mag, sollte hier schon fündig werden.
Ergo: Man nehme einen guten Horror-Roman, lege diese CD ein und mache sich einen schön gruseligen Abend. Dafür ist "The Grudge" jenseits des Filmes perfekt: Denn diese CD lenkt nie durch melodiöse Eskapaden ab, sondern setzt komplett auf Stimmungsaufbau.
Young ist hier ein guter und durchaus hörenswerter Score gelungen, mit dem er jedoch die Klasse seines "Hellraiser"-Scores nicht erreichen kann. Und der Mangel an melodiösen Elementen mag sicher auch den einen oder anderen abschrecken. Für alle die das nicht stört: dieser Score ist Horror pur - ohne Zierrat und unnötiges Drumherum - Stimmung, Atmosphäre und Klang(alpt)räume. Ich wünsche angenehmes Gruseln.