Ein knackiges Gitarrenriff, ein paar Schläge auf Kuhglocken und schon ist man mitten drin - im Opener (Freelance Fiend) zu Growers Of Mushroom von Leaf Hound. Bereits 1970 aufgenommen, aber durch Decca erst 1971 veröffentlicht, als die Band sich schon aufgelöst hatte. Was hat man sich bloß mal dabei gedacht ?
Growers Of Mushroom ist ein Juwel unter den Hardrockplatten der frühen 1970er Jahre und eine Original-LP brachte bei einem Internetauktionshaus einen Erlös von über 2000 Pfund Sterling ein. Umso mehr kann man sich über diese 2005 von Repertoire Records (die wie gewohnt liebevoll) veröffentlichte CD-Version freuen.
Soundtechnisch überarbeitet, im Digipack und mit ausführlich betextetem und bebildertem Booklet liefern die Linernotes von Chris Welch wieder mal viele wissenswerte Informationen (viel, viel mehr als man im Rahmen dieses Beitrages unterbringen kann).
Der Vorläufer von Leaf Hound nannte sich Black Cat Bones und mit dabei waren die Herren Paul Kossoff und Simon Kirke, die sich nach kurzer Zeit Free anschlossen und eine allseits bekannte Karriere hinlegten. Nachdem Black Cat Bones ihr erstes Album veröffentlicht hatten, stiess Peter French als Sänger dazu und der Grundstein für Leaf Hound war gelegt.
An der Gitarre stand ein nicht weniger bekannter Mann, Rod Price. Der verliess aber die Band dann relativ schnell, um sich bei Foghat einen Namen als Slidegitarrist zu machen. Als Ersatzmann holte French seinen Cousin Mick Halls in die Band.
Das Album Growers Of Mushroom wurde in folgender Besetzung eingespielt:
Peter French - Gesang
Mick Halls - Gitarre
Derek Brooks - Gitarre
Stuart Brooks - Bass
Keith George-Young - Schlagzeug
Wer weiss, was für Pilze die Jungs damals so züchteten. Heraus gekommen ist jedenfalls ein klasse Hardrockalbum, mit Einflüssen vom Blues und Psychedelic-Rock. Ein gewisser Led-Zeppelin-Einschlag ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Vielleicht ein Umstand, der die Decca Leute zögern liess, die Platte zeitnah nach ihrer Aufnahme heraus zu bringen.
Kurz nach Fertigstellung der Platte verliessen auch die Brooks Brüder Leaf Hound wieder und mit Ron Thomas am Bass ging die Band als Quartett auf Tournee durch Europa. Nach Aussage von Peter French spielten sie sich in Deutschland den Allerwertesten ab und erwarteten täglich, dass die Company ihr Album endlich mal veröffentlichen würde.
Als diese Hoffnung sich nicht erfüllt hatte und die Band ihre Tour ohne ihr Album promoten zu können frustriert beendet hatte, löste sich Leaf Hound auf. French schloss sich Atomic Rooster an, mit denen er deren größten Erfolg In Hearing Of Atomic Rooster aufnahm. Anschliessend war er ein paar Jahre Mitglied der Band Cactus.
Nach einigen fruchtlosen Soloversuchen und Projekten mit Musikern der Gillan Band und Thin Lizzy, die nicht über ein Planungsstadium hinaus kamen, zog sich Peter French aus dem Musikgeschäft zurück und wurde Dekorateur und Zimmermann. Erst die erste Neuveröffentlichung von Leaf Hounds Album brachte ihn ab Beginn der 1990er Jahre wieder langsam mit der Musik in Kontakt.
Seit 2004 existieren Leaf Hound wieder und auf dieser Ausgabe von Growers Of Mushroom befindet sich ein damals neuer Track, Too Many Rock'n'Roll Times, das sich auf dem Album Unleshed befindet, das schliesslich 2007 erschienen ist.
Fazit dieser ungewöhnlichen Bandgeschichte:
Angesichts der Tatsache, dass diese Platte auf Vinyl als Sammlerobjekt eine teure Rarität geworden ist, sollte man hier getrost zur CD greifen, wenn man auf klassischen Hardrock britischer Prägung steht. Und wenn man hört, dass Andrew Stockdale von Wolfmother diese Band zu seinen Einflüssen zählt, dann hat man auch als Hörer moderner Rockmusik einen stichhaltigen Anhaltspunkt, was man hier zu erwarten hat.