Mand schreibt ein Selbstporträt als kleiner Junge. Das Buch erzählt keine Geschichten, hat weder Spannungsbogen noch größere Konflikte; statt dessen werden Momentaufnahmen in kurzen Episoden festgehalten. Ein Kind versucht sich naive und altklug die Welt zu erklären. Der Leser lernt jemanden kennen, der so tut, als wüßte er über alles längst Bescheid, einen kleinen Klugscheißer, der sich dennoch mit einer ungeschützten Neugier zu wundern vermag, um die man ihn nur beneiden kann. Mand gelingt es, nicht nur Momente der Kindheit frappierend genau zu erinnern und zu erzählen, sondern dies bis in den Satzbau hinein mit der Sprache eines Heranwachsenden zu tun. Wir lesen nicht, wie ein Erwachsener von seinen Kindheitstagen erzählt, sondern folgen den vertrackten Gedankengängen Elfjähriger: "Die Großen erinnern sich immer an andere Sachen. Und immer an dieselben, natürlich! Und ich glaube nämlich gar nicht mehr, daß es so war, wie Papa sagt. Weil ich nämlich auch nicht doof bin und immer selbst dabei war. Er kann es gar nicht wissen, noch weniger als wir, er weiß es höchstens von oben." Weil das Kind es aber nicht "von oben" weiß, führt es mit sanfter Selbstverständlichkeit und einer verqueren Logik die Welt der Erwachsenen ad absurdum. Mands nüchterner Blick, der trocken-selbstironische Tonfall und die Detailschärfe der Erinnerungen bewahrten ihn vor der selbstmitleidigen Pose der Abrechnung mit der eigenen Geschichte. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)