Okay, Tobi...den Ausspruch habe ich Dir geklaut. Aber als echter Berlin-Mitte Bewohner wirst Du mir das verzeihen, denn: Er passt so wunderbar auf Marc Rothemunds Film -Groupies bleiben nicht zum Frühstück-. Einem Stück bespieltem Zelluloid, das alle gängigen Klischees abgreift, fast keine Überraschungen bereit hält, die Aschenputtel-Geschichte ins Berlin des Jahres 2010 verlegt und trotz all dieser altbewährten Zutaten ein wunderschönes Stück Kino geworden ist. Sollen alle Kunst- und Tiefgangkritiker wieder mal meinen, was sie wollen, für mich sieht gute Unterhaltung via Bildschirm ganz genau so aus.
Lila(Anna Fischer), eine echte Berliner Göre, war ein Jahr lang als Schülerin in Texas. Jetzt kehrt sie nach Berlin zurück. Dort erwartet sie ihre Mutter Angelika(Inka Friedrich) mit einem "neuen Mann", dem Taxifahrer Tom(Ben Braun). Da ist erst Mal kennenlernen angesagt. Lilas kleine Schwester Luzy(Amber Bongard) hat derweil für Lila keine Zeit. Die angesagte Band "Berlin-Mitte" mit dem umschwärmten Frontmann Chriz(Kostja Ullman) ist in der Stadt. Das sorgt für jede Menge schlaflose Teenie-Nächte. Weil Lila ihrem Freund Gustav(Josef Mattes) versprochen hat, eine seltene Pflanze aus den Staaten mitzubringen, und das vermasselt hat, klaut sie das gute Stück im Botanischen Garten. Dort triftt sie auf den netten Christopher und verknallt sich sofort. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Doch kurze Zeit später müssen Lila und ihre schräge Freundin Nike(Nina Gummich) feststellen, dass Christopher niemand anders als der Sänger Chriz ist. Eigentlich ja ganz schön, aber Lila steht nicht so auf den Popstar-Rummel. Es dauert dann auch nicht lange, bis es zwischen Lila und Christopher so richtig schön kompliziert wird...
Was für eine herrliche Produktion! Mit leichter Hand, lebenslustig, beschwingt und mit dem gewissen Schuss Lockerheit platziert Regisseur Rothemund seine Puzzleteile zu einem perfekten Gesamtbild. Es sind vor allem die Schauspieler, die -Groupies bleiben nicht zum Frühstück- zum Glanzstück erheben. Anna Fischer, die an die junge Nora Tschirner erinnert, ist Berlin durch und durch. Kostja Ullman plus gesamte Crew von "Berlin-Mitte" agieren hervorragend. Amber Bongard spielt die kleine Luzy so, wie wir uns einen verschossenen Teenie vorstellen. Nebenbei werden Figuren wie der Bodyguard Horst oder die Freundin Nike zu atemberaubend guten Charakteren.
Es gibt allerdings noch zwei weitere Hauptrollen. Zum einen ist das die Musik von The Land, Berlin-Mitte, Jonathan Express und The Green Carpets. Die vereint Indie-Elemente und Coverversionen zu wirklich passenden Unterlegern jedes einzelnen Bildes. Zum zweiten ist es Berlin. Wenn diese Stadt filmtechnisch so weitermacht, wird sie den großen Konkurrenten Paris oder New York bald den Rang ablaufen; jedenfalls auf deutschen Bildschirmen. Seit -Männerherzen- wurde die Spreemetropole nicht besser ins Licht gerückt, als hier bei Marc Rothemund.
Von herzerfrischend lustig, über albern verspielt, bis hin zur ganz großen Liebe. -Groupies bleiben nicht zum Frühstück- vereint alles, was ein guter Film braucht. Da lernt man, dass sich "Celle-Centrum" gegenüber "Berlin-Mitte" wirklich doof anhört, und erkennt, wie wichtig es sein kann, einen Taxifahrer zu kennen. Am Ende bleibt mir nur noch ein Ausspruch Lilas, der es auf den Punkt bringt: "Oh geil; Berlin!"