Alben wie "Group Therapy" müssen mit der Lupe gesucht werden: Da schwingt sich Concrete Blonde, bereits getrennt, aus der Asche auf, um nach vielen, vielen guten Album 2002 noch einmal phönixhaft den Rock-Olymp zu erklimmen. Nicht wenige Fans wie Kritiker halten "Group Therapy" nicht nur für ein gutes, sondern wahrscheinlich ihr bestes Album. Unter allen Stücken ist kein einziger Rohrkrepierer zu finden, wo selbst guten Bands mittlerweile schon drei bis vier ausreichen, um Qualität zu beweisen. Immer noch zutiefst uneins mit sich und der Welt (siehe "Inside - Outside") rocken sich Concrete Blonde durch ein höchst intensives Stück Musikgeschichte, in dem die alten Fragen und Themen virtuos erneut aufgeworfen werden - das Verarbeiten kaputter oder schlicht gescheiterter Beziehungen ("Memory"), die Frage, ob das Leben nur lebenswert sei, wenn es Poesie und Ekstase ist ("Violent"), die Müdigkeit der x-ten durchfeierten Nacht, die Resignation des x-ten gescheiterten Versuches ("Take me home") und nicht enden wollende Rebellion ebenso wie chronische Unfähigkeit zum Angepaßtsein ("When I was a fool"). Die Zeilen aus "Violent"
try some, buy some
wheel & deal it
buy or steal it
if it makes you feel it
we want it intense
we want our violence.
get ready to take it all the way
the things they do
the words they say it's all so
ready to get
violent
könnten inhaltlich - im Guten wie im Bösen - für das ganze Album stehen. Dass Johnette Napolitanos Stimme dabei über jeden Zweifel erhaben ist und wandlungsfähig wie wenige andere einen Haufen Rock-und Popröhren souverän an die Wand singt, wird jeder bezeugen können, der einmal CB gehört hat. Bitter nur, dass sie die verdiente Anerkennung nie bekommen haben - was dem Genießen dieses glanzvollen Spätwerks natürlich keinen Abbruch tun darf.