Für meine Jubiläumsrezension - immerhin die 500. - habe ich mich nicht für ein Buch entschieden. Vor einigen Monaten machte mich ein Freund auf eine Band aufmerksam, von der er dachte, sie würde mir gefallen: Unheilig. Gespannt hörte ich die Alben PHOSPHOR, MODERNE ZEITEN und PUPPENSPIELER, um festzustellen, dass die Musik mich absolut anspricht. Und so war ich natürlich auf das neue Album des Grafen mehr als gespannt. Eine Spannung, die der charismatische Musiker mit GROSSE FREIHEIT mehr als erfüllt hat. Einige Rezensenten haben beklagt, dass Unheilig musikalisch nichts Neues anbieten. Wenn man sich in der Musikwelt umschaut, wird man feststellen, dass jede Band einen eigenen Stil hat, und diesem, bei Erfolg, treu bleibt. Trotzdem gelingen Alben die gut sind, Alben die nicht so gut sind und Alben, die zu einem Meilenstein der Bandgeschichte werden. GROSSE FREIHEIT ist für mich ganz klar ein Album der letzten Kategorie, denn dem Grafen ist es hier gelungen, ein nahezu perfektes Album zu schaffen, dass durchaus als kreativer Höhepunkt der Band gewertet werden kann.
DAS MEER: Ein toller Opener, dessen Intro bereits seit Wochen auf der Unheilig Website zu hören war. Zusammen mit einer überaus eingängigen Melodie ist das Stück eine ausgezeichnete Eröffnung des Konzeptalbums zum Thema Meer und Seefahrt.
SEENOT: Treibende Nummer die verständlich macht, warum Unheilig immer wieder auch mit Rammstein verglichen werden. Textlich geht es um darum, sein Leben auf Kurs zu halten.
FÜR IMMER: Nach einem getragenen Intro, bekommt der Song mehr Tempo, dass in einem mitreißenden, fast brachialen Refrain gipfelt. Sicherlich eine ausgezeichnete Livenummer.
GEBOREN UM ZU LEBEN: Über diesen Song braucht kaum noch etwas gesagt zu werden. Bei vielen Radiosendern bereits im Airplaydauereinsatz (was einerseits schade ist, da sich hier die Gefahr des Überhörens einstellen kann), ist der Song sicherlich einer der ersten absoluten Höhepunkte des Albums. Textlich ein Volltreffer, der auch musikalisch, gerade durch den Kinderchor zum Schluss, eine besondere Gänsehaut erzeugt.
ABWÄRTS: Harte Nummer, die mit vielen Begriffen der Seefahrt spielt. Ein Song, der nach Aussage des Grafen immer wieder Spaß macht.
HALT MICH: Eine weitere Ballade, die zeigt, welche Qualitäten der Graf als Songschreiber hat. Perfektes Zusammenspiel von Musik und Stimme.
UNTER FEUER: Treibende Beats und eine wummernde Gitarre geben diesem Song Tempo und Power. Ein Song, der klar auf Rhythmus ausgelegt ist.
GROSSE FREIHEIT: Der Titelsong des Albums. Eine Liebeserklärung des Grafen an die Stadt Hamburg, in der er viele Jahre gelebt und gearbeitet hat. Ein eingängiger Song, der sich als würdiger Titeltrack erweist.
ICH GEHÖRE MIR: Flotte Technonummer über das zwischenmenschliche Zusammenspiel und die Tatsache, den anderen nicht nach dessen Anschauung leben zu lassen.
HEIMATSTERN: Eine weitere balladenhafte Nummer, in der es um das Gefühl der eigenen Heimat geht.
STERNBILD: Ein dramatischer Einstieg und ein stampfender Beat sind der Auftakt in diese rockige Nummer.
UNTER DEINER FLAGGE: Ebenfalls eine Ballade, die die Stimme des Grafen ausgezeichnet zur Geltung bringt. Eine Liebeserklärung an seine Mutter.
FERNWEH: Ein Song, der das große Thema des Albums, auf Reisen zu gehen, noch einmal aufgreift.
NEULAND: Kein Unheilig Album ohne Instrumentalsong. Der Song greift das Intro des Openers DAS MEER auf und schließt einen musikalische Spannungsbogen, der das Album ausgezeichnet beendet.
Insgesamt ist GROSSE FREIHEIT ein mehr als hörenswertes Album. Auch wer sich nicht mit der zum Teil recht harten Musik anfreunden kann, wird auf diesem Album Perlen finden, die er lieben wird. Für mich ist GROSSE FREIHEIT der erste Höhepunkt des Jahres 2010. Ein musikalisch und textlich absolut gelungenes Album, auf dem es keinen einzigen schwachen Song gibt. Daher möchte ich auch keinen einzelnen Song heraus heben, da GROSSE FREIHEIT eins der wenigen Alben ist, das wirklich in seiner Gesamtheit überzeugt. Bin schon sehr auf die Liveumsetzung der Songs gespannt.