Neue Zürcher Zeitung
Vom Besiegen der Angst Per Olof Enquists erstes Kinderbuch gew. Herrlich widerspenstig beginnt «Grossvater und die Wölfe», das erste Kinderbuch aus der Feder von Per Olof Enquist: Die Kinderperspektive der sechsjährigen Mia bricht der schwedische Schriftsteller gekonnt in der erzählerischen Distanz, und sich selber malt er wiedererkennbar als netten, aber etwas schrulligen Opa. Was wirklich passiert, lässt sich anfangs aus den phantasievollen Deutungen Mias gar nicht so recht sagen. Nur eines ist sicher: Mia wird nachts von einem Krokodil belästigt, und ihr Grossvater verspricht, sie mit Hilfe einer Expedition von allen Ängsten zu befreien. Bis an diese Stelle liest sich das Buch als eine gelungene und humorvolle Generationengeschichte, in der die Kinder und die alten Leute sich über die Köpfe der Eltern hinweg bestens verstehen. Mit dem Auftauchen eines Wolfsjungen in seiner Erzählung scheint der Autor ein wenig aus dem Konzept zu kommen: Plötzlich gerät Enquist in eine ganz andere Geschichte. Er wechselt nicht nur Perspektive und Tonfall, er trägt auch etwas gar dick auf und lässt Kinder und Grossvater auf ihrer Expedition ein richtig wildes Abenteuer erleben, in welchem Wölfe und Bären die Guten und Wilderer die Bösen sind. Als dann im Notfall das Handy nicht mehr funktioniert, wird's wirklich gefährlich. Die inzwischen unglaublich naturverbundenen Kinder bewältigen auch diese Krise. Die Geschichte aber findet den Anschluss an den spielerischen Anfang nicht mehr.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Gebundene Ausgabe
.
Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Die Zeit, 14.08.2003
Rezensent Andreas Nentwich ist hingerissen von diesem ersten Kinderbuch des gefeierten Romanciers, in dem ihm Enquist nicht nur als toller Kinderbuchautor sondern auch als fantastischer Großvater entgegengetreten ist, dessen "unendliche Verliebtheit" in seine vier kleinen Protagonisten ihn tief bewegten. Nicht nur das darin beschriebene Bergdrama sei spannend, findet der Rezensent. Auch die Augenhöhe der Erzählung mit den darin beschriebenen Kindern haben Nentwich hingerissen. Alles, was Enquist an Einsichten über die Alterslosigkeit von Angst, Mut, Genervtsein und Selbstüberwindung vermittele, sei aus der Konkretheit kindlicher Welterfahrung abgeleitet. Die daraus resultierende Komik fand der Rezensent oft so hinreißend, dass er sie am liebsten passagenweise zitieren würde.
© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Kauzige, humorvolle, liebevolle, abenteuerlustige Großväter, die mit ihren Enkeln unter Umgehung der Elterngeneration auf Entdeckungsreise gehen, und sei es auch nur in der Fantasie, gehören fest in den Bestand des Figurenarsenals der Kinderliteratur, stellt Hilde Elisabeth Menzel fest. Ein solcher Großvater scheint auch der Autor Per-Olov Enquist zu sein, glaubt sie zu wissen, denn der Autor habe seinen vier Enkelkindern eine urkomische und dazu noch spannende Geschichte geschenkt. Weil es sich um einen guten Autor handelt, ist der Großvater des Buches dennoch weit von jedem Klischee entfernt, hält die Rezensentin fest. Er benimmt sich nämlich nach Meinung der Bilderbucherwachsenen ziemlich schlecht, gibt also kein gutes Vorbild ab, und wird auch schon mal aufs Klo gesperrt, wenne er beim Essen wieder Pupsgeschichten erzählt hat. Weil seine Enkelin angeblich des Nachts vom Krokodil gebissen wird, denkt er sich eine Expedition aus, die, berichtet Menzel, zu einem echten Abenteuer mit Wölfen, Wilderern und einem gebrochenen Bein gerät. Eine herzerfrischende Geschichte, freut sich Menzel und empfiehlt das Buch für junge Menschen ab acht Jahre.
© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Gebundene Ausgabe
.