Oliver Koletzki stammt aus dem Umfeld der Berliner DJ- und Produzenten-Szene, die sich mit ihrem geschmeidig groovenden Minimal-House-Sound in den letzten Jahren einen besonderen Ruf geschaffen haben. Zu nennen ist da bestimmt auch Paul Kalkbrenner, Marek Hemmann, Sascha Funke, Sascha Braemer und noch viele andere, die u a. auf Koletzkis eigenem Label "Still vor Talent" veröffentlicht wurden. 2009 schickte sich Koletzki dann an, seine "Großstadtmärchen" zu veröffentlichen. Soft schwingende elektronische Musik mit unterschiedlichsten Gastsängern. Mit "Hypnotized", wunderschön gesungen von seiner Freundin Fran, gelang ihm gar ein absoluter Dauerbrenner. Auch wenn Märchen ja in der Regel keine Fortsetzung erfahren, hat er es trotzdem gewagt. Clubmusik goes Pop, ein Konzept, für das u.a. 2raumwohnung schon länger stehen, wird hier also fortgesetzt. Zwölf neue Songs: drei geschmeidige Instrumentals und mit "1994", einer Verneigung vor Daft Punk, sogar ein clubtauglicher Track; und acht Songs mit mal englischem, mal deutschem Gesang, darunter auch wieder Axel Bosse und natürlich Fran, deren "Still" allerdings leider eher gruselig glatt ist. Zwei Lieder fallen mir noch besonders auf: Bei "50 Ways To Love Your Liver" rappt Jake The Rapper eine Hommage an seine offenbar sehr leistungsfähige Leber, ein cooler Acid-Jazz-Groover, der sehr an Warren Gs "Regulate" erinnert. Und bei "The Power Of Rausch" liest der Autor Nagel, Ex-Frontmann von Muff Potter zu einem Minimal-Track eine Passage aus seinem Roman "Was kostet die Welt". So etwas kann man dann wohl zur recht "Poetry-House" nennen ' spannend. Natürlich sind die "Großstadtmärchen 2" auch wieder in sich stimmig und gelungen; wer Folge 1 mochte, wird bestimmt auch diese Platte mögen. Doch muss ich anmerken, dass mir einige Songs echt zu poppig, radio- bisweilen gar charttauglich sind. Ist ja im Prinzip nichts Verwerfliches, aber ich weiß jetzt schon, dass ich bei einigen meiner Elektro affinen Freunde damit gar nicht erst ankommen muss. Andererseits ist mir Koletzkis "märchenhafter" Elektro-Pop immer noch lieber als 99% von dem Zeug, was sich in den Charts tummelt. Von daher warne ich Freunde cooler, treibender, eher instrumentaler Clubmusik vor dieser Scheibe, wünsche Koletztki aber trotzdem aus vollem Herzen ganz viel Erfolg mit seinen "Großstadtmärchen 2".